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Netzwerk Kinderschutz soll vorbeugen

NordWest (am) - Der Berliner Senat hat zügig auf die zuletzt gehäuften Vorgänge von Kindesvernachlässigung und Misshandlungen reagiert und ein Konzept für ein "Netzwerk Kinderschutz" beschlossen. Das Netzwerk soll die Zusammenarbeit insbesondere zwischen Kinder- und Jugendgesundheitsdiensten, Kinderärzten, Jugendämtern, Kindertageseinrichtungen, Schulen, Gerichten und Polizei entscheidend verbessern. Für die Etablierung der vorgesehenen Maßnahmen werden Haushaltsmittel in Höhe von mehr als 1,1 Mio. € eingesetzt. Die Polizei registrierte zuletzt eine Zunahme von Vernachlässigungen (Verletzungen der Fürsorge und Erziehungspflicht nach § 171 StGB) von 255 Fällen im Jahr 2004 auf 314 Fälle 2005 sowie von Misshandlungen von Kindern (§ 225 StGB) von 398 (2004) auf 472 Fälle (2005). Nach ihrer Einschätzung ist diese Zunahme einer gestiegenen Sensibilisierung der Bevölkerung geschuldet. Der Jugendsenator Prof. Dr. Zöllner (SPD) erklärte dazu: „Jeder Fall von Verwahrlosung und Vernachlässigung von Kindern ist einer zu viel. Die schlimmen Fälle in der Vergangenheit zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen in Hilfesystemen betreut wurden, die aber nicht wie erforderlich funktionierten. Es darf keine Sackgassen geben und keiner darf sich die Hände in Unschuld waschen. Mit diesem Netzwerk nimmt Berlin eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Verwahrlosung und Vernachlässigung ein." Die folgenden Maßnahmen sollen dem Netzwerk zum Erfolg verhelfen:

  • Im Gesundheitssystem wird ein Netzwerk zur Früherkennung und frühen Förderung geschaffen.
  • Entbindungskliniken, Hebammen, Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, Regionaler Sozialdienst des Jugendamtes, Sozialmedizinischer Dienst und
  • niedergelassene Kinderärzte arbeiten mit einem einheitlichen verbindlichen Indikatorenmodell, das der frühzeitigen Erkennung von Gefährdungsrisiken
  • dient.
  • Um auf spezielle Problemlagen reagieren zu können, wird das Projekt „Aufsuchende Elternhilfe - präventiver Kinderschutz vor und nach der Geburt" gestartet.
  • Als Ansprechstelle für Träger, Bürger, Eltern und andere Akteure wird eine berlinweite Hotline Kinderschutz im ersten Halbjahr 2007 eingerichtet, die rund um die Uhr erreichbar sein wird. Die Hotline wird beim Kindernotdienst angebunden sein.
  • In den Jugendämtern und Gesundheitsämtern (KJGD) der Bezirke werden „Koordinierungsstellen Kinderschutz" eingerichtet.

Wir werden in den kommenden Ausgaben über Verantwortlichkeiten in unserem Stadtteil berichten.