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für den Stadtteil Marzahn-NordWest

Gemeinsame Vorstellungen und neue Impulse sind gefragt

Integration Marzahn-NordWest

NORDWEST: Sie beschäftigen sich seit einiger Zeit mit dem Thema "Integration" in Marzahn-Nord-West. Welche Eindrücke haben Sie bisher gesammelt?

Ingeborg Beer: In Marzahn-Nord-West gibt es zahlreiche Einrichtungenund Organisationen, diesich an Menschen mit Zuwanderungsgeschichte wenden: sie bieten Beratung an, unterstützen das Erlernen der Sprache, organisieren Kultur, Bildung, Begegnung. Wir haben noch nicht mit allen Fachleuten gesprochen -
aber von drei Eindrücken können wir schon berichten:
- Erstens: Es gibt so viele Vorstellungen von Integration wie Einrichtungen und Projektträger. Ein gemeinsames Grundverständnis wäre hilfreich, jedenfalls für diejenigen, die sowieso in bestehenden Netzwerken arbeiten und darüber hinaus an einem Strang ziehen wollen.
- Zweitens: Die meisten Bilder von Integration betonen Defizite und Hemmnisse (fehlende Sprachkenntnisse, Rückzug etc.). Zugewanderte Menschen sind aber auch Leistungsträger, haben Kompetenzen, Interessen, Fähigkeiten und auch Lust, sich mit ihren Potenzialen einzubringen. Dies möchten wir mehr in den Vordergrund rücken.
- Drittens: Vieles wird durch das Förderprogramm „Soziale Stadt" und die Quartiersagentur in Bewegung gehalten. Bisher wird noch kaum darüber nachgedacht, welche Ansätze auch bei zurück gehenden finanziellen Mitteln Erfolg versprechen - und warum.


NORDWEST: Das klingt nach einem langen und mühsamen Prozess. Anfang Mai wollen Sie bereits Veranstaltungen für Fachleute und Bewohner durchführen. Mit welchen Ergebnissen ist zu rechnen?

Ingeborg Beer: Diese Veranstaltungen sehen wir als Meilensteine. Viele, mit denen wir gesprochen haben, wünschen sich Impulse für mehr Offenheit im Denken, ein höheres Qualitätsbewusstsein, eine stärkere inhaltliche Vernetzung der Arbeit. Veranstaltungen allein werden dies - auch mit noch so interessanten ReferentInnen - kaum herbeiführen. Ich glaube, Marzahn-NordWest braucht eine kontinuierliche Streitkultur und Mut zu Auseinandersetzungen, ein konstruktives Ringen um beste Beratungsansätze, um erfolgreiche Strategien für mehr Teilhabe an Bildung, in der Arbeitswelt, im Quartier. Die Veranstaltungen können erfolgreich sein, wenn es streitbar weitergeht.

NORDWEST: Das betrifft vor allem die Fachleute. Besteht nicht die Gefahr, dass sie über die Menschen sprechen anstatt mit ihnen?

Ingeborg Beer: Aus welchen Ländern die Menschen auch kommen - sie wollen, dass es ihnen und vor allem ihren Kindern besser geht. Viele meinen, dass „der Staat" sich darum kümmern soll. Andere werden selbst aktiv: Sie helfen den Nachbarn, machen Musik, organisieren Nachhilfe-Unterricht, wollen ihre Kenntnisse anbieten ... Auch wenn dadurch keine Arbeitsplätze geschaffen werden, es nützt beim Weiterkommen, erleichtert Kontakte, macht den Alltag im Quartier lebenswerter. Wir werden Anfang Mai einen „Markt der Möglichkeiten" organisieren. Dort können sich Menschen mit ihren Ideen und Erfolgen vorstellen und auf andere treffen, die dies auch interessiert. In Ihrer nächsten Ausgabe können wir darüber mehr berichten.

NORDWEST: Wir kommen gerne darauf zurück und danken für das Gespräch.

Kontakt: Dr. Ingeborg Beer,
info(at)stadtforschung-berlin.de