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"Wir sind offen für Kommunikation"

Eine deutsche Familie ist wesentlich kommunikativer als angenommen

In Migrantenkreisen existiert aus irgendeinem Grunde die Auffassung, die alteingesessene Bevölkerung gehe nur ungern auf die Migranten zu, öffne sich ihnen nicht und habe einen Widerwillen gegen Kommunikation. Diese Meinung widerlegt die Familie Grünberg in allen Punkten. Monika und Detlef Grünberg empfingen die Reporterin von „NW" in ihrer gemütlichen Wohnung in der Wittenberger Straße. Bei einer Tasse guten Kaffees beantworteten sie alle Fragen, die das „Migrantenherz" bewegen. Etwa: Inwieweit ist die Integration als solche möglich? Kann man mit der einheimischen Bevölkerung nicht nur nebeneinander her, sondern zusammen in gutnachbarschaftlichen Beziehungen leben? Detlef Grünberg, der bei der Polizei tätig ist, und zwar schon seit 34 Jahren am selben Arbeitsplatz, ein Phänomen, das in heutiger Zeit fast schon unwirklich erscheint, beantwortet die gestellten Fragen positiv, wobei er lediglich bemerkt, dass im Endeffekt alles von den Menschen und ihrem tatsächlichen Willen abhängt. „Wenn mein Nachbar ein guter Mensch ist, ist es für mich unwichtig, welcher Nationalität er ist. Für mich ist wichtig, ob ich mich mit ihm unterhalten, eine Tasse Kaffee trinken oder Skat spielen. Das heißt, ob wir nebeneinander wohnen können, ohne uns gegenseitig Probleme zu machen und dabei einander, wenn nötig, helfen", sagt Detlef. Die Familie Grünberg zeigte Interesse an ihren Nachbarn und ging zu einem Treffen mit Migranten. Im Integrationsprojekt „AoA" („Aussiedler orientieren Aussiedler") beantworteten sie Fragen und begriffen ihrerseits, woher in Berlin „diese eigenartigen Deutschen" kommen, die gut Russisch sprechen und schlecht Deutsch. „Wir kennen die Geschichte der Deutschen aus Russland wirklich nicht gut. Viele ihrer jetzigen Probleme haben sie offensichtlich ‚von dort‘, aus ihrer alten Heimat, mitgebracht", meint Detlef Grünberg. Dennoch muss man Wege zueinander finden. Wir erinnerten uns an einen Arbeitseinsatz, der im September des vorigen Jahres im Projekt Kiek in veranstaltet wurde. „Meine Frau und ich waren gern dazu bereit, Aufräumarbeiten in unserem Bezirk zu leisten. Es kamen noch 20 Russlanddeutsche, von den Einheimischen waren wir die Einzigen. Ich möchte daraus keine Schlüsse ziehen, aber bezeichnend ist es sehr wohl", bemerkte Detlef und fügte lächelnd hinzu: „Wenn ich mich recht erinnere, sind die Arbeitseinsätze doch schon unter Lenin in Mode gekommen." Die ruhige, charmante Monika arbeitet bei einem Pflegedienst. Diese Arbeit ist alles andere als leicht, aber sie gefällt ihr: „Vielleicht ist das meine Berufung." Vor kurzem hat Detlef begonnen, sich als Gasthörer aktiv am Bewohnerbeirat zu beteiligen, der Fragen zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur in Nord-Marzahn entscheidet.

L. Fischer