Unabhängige und überparteiliche Zeitung
für den Stadtteil Marzahn-NordWest

Offener Brief an DEGEWO-Vorstand

Berlin, 5. März 2007

Sehr geehrter Herr Bielka,
sehr geehrter Herr Beck,

mit Verblüffung, Verärgerung und auch Verständnislosigkeit haben die Mieterschutzinitiative sowie der Bewohnerbeirat Marzahn-NordWest und die betroffene Mieterschaft Anfang dieses Jahres die Abrisspläne für das Schorfheideviertel zur Kenntnis genommen. Mit ihnen und dem parallel vom Quartiersmanagement Marzahn-NordWest eingeleiteten Werkstattverfahren zur späteren Nutzung der Abrissfl ächen sollen offenkundig vollendete Tatsachen geschaffen werden, die von vornherein jegliches Aufbegehren unterdrücken und jeden Änderungsversuch zum Erhalt der grundlegenden städtebaulichen Konturen ins Reich der Utopie verweisen. Wir sehen in diesem Unterfangen einen Überrumpelungsversuch und gleichzeitig einen ernsten Vertrauensbruch gegenüber der Mieterschaft im Schorfheideviertel und der Einwohnerschaft im Stadtteil Marzahn-NordWest. Dagegen werden wir uns mit den uns zu Gebote stehenden Mitteln wehren. Im Herbst 2005 nahmen die Mieterschutzinitiative und der Bewohnerbeirat Marzahn-NordWest an der Sondersitzung des Ausschusses für ökologische Stadtentwicklung der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf im zur DEGEWOGruppe gehörenden Kundenzentrum WBG Marzahn teil. DEGEWO-Vorstand Frank Bielka erläuterte dort die künftige Etappe des Stadtumbaus Ost in Marzahn - von der Cecilienstraße über die Ringkolonnaden bis zum Schorfheideviertel. Diese Sitzung ließ uns - in Anlehnung an die Ahrensfelder Terrassen - auf eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit und ein überzeugendes gemeinsames Auftreten gegenüber der zuständigen Senatsverwaltung hoffen. Entsprechend groß waren Enttäuschung und Erbitterung, als auf einer emotionsgeladenen Einwohnerversammlung Ihre Unternehmensführung überhaupt nicht mehr in Erscheinung trat, und selbst durch den Bezirksstadtrat für ökologische Stadtentwicklung, Norbert Lüdtke, der damals der Ausschussvorsitzende war, der Eindruck erweckt wurde, die nun fälligen Totalabrissmaßnahmen seien ausschließlich den unumkehrbaren Beschlüssen des Kundenzentrums WBG geschuldet. Was hat das zu bedeuten? Wir können diesen „Rückzug" natürlich nicht glauben, und wir möchten Sie daher dringlichst bitten - so wie das bisher vertrauensvolle Praxis zwischen uns war - zu einem baldigen Zeitpunkt als Repräsentanten des landeseigenen Mutterkonzerns der WBG mit uns zu beraten, wie der geplante städtebauliche Frevel an der Golliner/Ecke Kölpiner Straße mit dem erstmals beabsichtigten vollständigen Abriss von 6-geschossigen Wohnhäusern verhindert werden kann. Geredet werden muss ferner aufs Neue darüber, dass man Haushaltssanierung nicht mit Stadtteilplanierung erreicht. Bei den Ahrensfelder Terrassen wurden aus 1670 WE am Ende 409 Miet- und 38 Eigentumswohnungen. An der Golliner/Ecke Kölpiner Straße geht es um weniger als ein Zehntel (z.B, von 130 WE in 6 zu ca. 65 WE in 3 Etagen). Von Fördermitteln „wie bei den Ahrensfelder Terrassen" kann also nicht die Rede sein. Schließlich grenzt es geradezu an Zynismus, dass ausgerechnet auch solche Mieter im Schorfheideviertel zum Auszug gedrängt werden, die erst zwei Jahre zuvor wegen des Umbaus der Ahrensfelde Terrassen hierher vermittelt worden waren. Sehr geehrter Herr Bielka, sehr geehrter Herr Beck, darum bitten wir Sie herzlich, unsere Einladung zu einem gemeinsamen Treffen anzunehmen. Dass neben den Elf-Geschossern erstmals auch Sechsgeschosser „dem Erdboden gleichgemacht" werden - wie es schon so „anheimelnd" in der Presse zu lesen war - darf das letzte Wort in dieser Geschichte nicht sein.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Oelsner
Bewohnerbeirat Marzahn-NordWest
Günter Beckert
Mieterschutzinitiative Marzahn-Nord

(red. gekürzt, Volltext unter www.marzahn-nordwest-quartier.de)