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für den Stadtteil Marzahn-NordWest
Osterfest, das in Deutschland in jeder Familie gefeiert und von allen geliebt wird, steht vor der Tür. Ein besonderes „Osterfieber" stellt sich schon lange vor dem „eigentlichen" Fest ein. Auch die Aussiedler stehen dem natürlich in nichts nach und fangen so früh wie möglich an, sich vorzubereiten: Geschenke für die Kinder müssen gekauft, Eier gefärbt und versteckt werden, und man muss sich Gedanken über das Festtagsmenü machen. Es ist alles so wie bei allen anderen auch. Diese Festtagsvorbereitungen sind uns praktisch schon in Fleisch und Blut übergegangen. Und wenn wir nun daran zurückdenken, wie wir in Russland Ostern gefeiert haben? Unter den Aussiedlern, die in Marzahn-Hellersdorf leben, gibt es viele ältere Leute, die sich noch oft an das Leben in der „früheren" Heimat erinnern. Wir haben eine von ihnen, Paulina Schwefel, gebeten, uns zu erzählen, wie in ihrer Familie Ostern gefeiert wurde. „Meine Kindheit fi el in die schwere Nachkriegszeit. Keiner hatte es leicht - weder wir, die Deutschen, noch die russischen Menschen. Religiöse Feste zu feiern war verboten, aber insgeheim taten es dennoch alle. Zumindest in unserem Dorf in Sibirien. Ideologie hin, Ideologie her, aber zu Ostern wurden Eier gefärbt und die Kinder mit dem beschenkt, was da war. Die Mutter und die Großmutter buken Gewürzkekse und färbten Ostereier mit Zwiebelschalen und Kopierstift, andere Farben gab es damals nicht." Das war alles nicht viel, das Leben der Menschen nach dem Krieg war schwer, doch das Fest wurde voller Ungeduld erwartet. „Natürlich hat uns niemand Schokoladenhasen geschenkt", sagte Paulina. „Die einzige Süßigkeit war Süßholztee, ein Kräutertee. An diesem Tag ging man zu niemandem zu Besuch, im Gegenteil: Die Türen wurden geschlossen und die Fenster verhangen. So wollte man einer möglichen Denunziation wegen ‚Feierns eines ideologisch schädlichen religiösen Rituals' entgehen. Die Mutter sprach das Vaterunser, die Großmutter stellte die Speisen auf den Tisch und schnitt den Kuchen an. Dann tranken die Erwachsenen Weizenkaffee, unterhielten sich leise und sangen Lieder aus dem Kirchengesangbuch. So begingen wir bescheiden, ganz in Familie, vor den Behörden geheimgehalten, das Osterfest in der Nachkriegszeit."
L. Fischer