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In der Werkstatt, in der die Künstlerin und Grafikerin Leontina Kulko arbeitet, hängt ein Plakat zum Film „Das Opfer" des russischen Regisseurs Andrei Tarkowski. Aus irgendeinem Grund nimmt man sofort an, dass es einer „russischen Künstlerin" so leichter fällt zu arbeiten: „Nein, das habe nicht ich aufgehängt. Das Plakat hängt schon lange. Deutsche Kollegen haben es hier platziert." Mit diesen Worten begann unsere Bekanntschaft. Leontina Kulko stammt ursprünglich aus Kasachstan, jetzt wohnen sie und ihre große Familie in Marzahn. Über ihre deutsche Herkunft und ihr Leben „vor Deutschland" erzählt Leontina knapp: „Meine Ahnen stammten aus Heidelberg. Ich bin in Sibirien geboren, aber als ich vier Jahre alt war, zogen meine Eltern nach Kasachstan um. Solange ich denken kann, habe ich in der sonnigen Stadt Alma-Ata gelebt. Dort absolvierte ich die künstlerisch-grafische Fakultät der Staatlichen pädagogischen Hochschule Kasachstans. Später habe ich unterrichtet und war künstlerisch tätig. Einen großen Platz in meinem Leben nahm und nimmt natürlich die Familie ein." Die Familie Kulko - das sind bereits „alteingesessene" Bürger unseres Bezirks, sie wohnen hier seit 13 Jahren. „Der Bezirk gefällt uns, und wir haben nicht vor, in einen anderen, ‚prestigeträchtigeren‘ umzuziehen", sagt Leontina. „Hier gibt es viel Grün, der Bezirk ist wunderbar angelegt, man verspürt keinerlei Enge. Für das Leben einer Großfamilie eignet er sich sehr gut." Leontina und ihr Mann Miroslav haben vier Kinder: drei Töchter mit seltenen Vornamen - Aelita, Leontina und Marianna - und den Sohn Theodor. Sie alle sind sozusagen in der gemütlichen 5-Zimmerwohnung im Norden des Bezirks aufgewachsen. Die älteren Töchter haben einen Hochschulabschluss und leben bereits ihr eigenes Leben, die Jüngeren sind noch am Gymnasium. Miroslav ist Architekt. Er ist einer der wenigen Glücklichen „mit Migrationshintergrund", die auch in Deutschland eine Arbeit in ihrem eigenen Beruf gefunden haben. Gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Bernd Dombrowski hat er ein Architekturbüro gegründet, das sich mit der Restauration alter Gebäude befasst und architektonische Aufträge ausführt. „Mit den deutschen Freunden haben wir sehr viel Glück gehabt", erzählt Leontina. „Wir haben gleich Kontakt gefunden und schaffen es offensichtlich, uns gegenseitig zu bereichern. Das ist für uns sehr wichtig, auch für die Integration: Man wird sich deutlich dessen bewusst, dass Menschen überall Menschen sind. Nur das Sich-aneinander-Gewöhnen und das gegenseitige Kennenlernen brauchen Zeit, aber ein Mensch ist überall ein Mensch. Wichtig ist, das Gute zu sehen." Dieses Lebensgefühl kommt auch in allen Bildern Leontinas zum Ausdruck. (Sie ist Mitglied der Künstlergruppe „Klin", die aus Migranten besteht. Dort kann man auch ihre Arbeiten sehen.) Ihre Bilder erstrahlen förmlich in Farben, von ihnen gehen Güte und Wärme aus. Leontina Kulko arbeitet mit verschiedenen Techniken: Aquarell, Acryl, Öl, Seidenmalerei. Auf Seide zu malen hat sie erst in Deutschland gelernt. „Diese alte Kunst gibt einem viele Möglichkeiten, die Farben verlaufen förmlich ineinander", sagt die Künstlerin, die inzwischen selbst diese Technik lehrt. Die Gruppe trifft sich montags, in der Galerie „Klin", (Ahrensfelder Chaussee 150a, 12689 Berlin) zweimal monatlich. Anmeldung: unter Tel. 5640263 (Kulturring in Berlin e.V.) oder per e-mail: leontinak(at)web.de. L. Fischer
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