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„Nach Deutschland aufgebrochen, in Europa angekommen ...“

Die Ergebnisse einer Umfrage unter Aussiedlern in Marzahn

Im Vorfeld der Integrationskonferenz, an der ein reges Interesse besteht und von der zumindest erwartet wird, dass sie die Möglichkeit zu ernsthaften Gesprächen bietet, hat die Redaktion „Nachbarn" ihre eigene kleine Umfrage zum Thema „Was ist aus Sicht der Migranten selbst entscheidend für die erfolgreiche Integration in die deutsche Gesellschaft?" durchgeführt. Es wurden 30 Personen im Alter von 20 bis 55 Jahren befragt: Vertreter der verschiedenen Integrationsvereine im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, Arbeitslose und Angestellte, Auszubildende und Praktikanten. Berücksichtigt wurde dabei auch die Zeit, wie lange die Befragten in Deutschland leben. Welche Schlussfolgerungen kann man ziehen? Die „neuen" Aussiedler, das heißt jene, die vor einem bis zwei Jahren ins Land gekommen sind, zeichnen sich durch einen wesentlich größeren Optimismus aus als jene, die hier schon fünf bis zehn Jahre leben. Diejenigen, die relativ wenig mit den lokalen Gegebenheiten und den harten Kriterien des deutschen Arbeitsmarktes vertraut sind, hoffen mehr auf glückliche Umstände, darauf, dass die Arbeit sich von selbst findet oder einem vom Arbeitsamt zugewiesen wird. Die älteren und „kampferprobten" Aussiedler sind wesentlich weniger optimistisch und verlassen sich nur auf ihre eigene Kraft. Dabei haben die Aussiedler, so eigenartig das erscheinen mag, trotz allem noch Lust, den Wohnort zu wechseln. Wladimir Reich (45 Jahre), arbeitslos, formulierte es so: „Meine Chancen auf eine normal bezahlte Arbeit halte ich für minimal. Angeboten wird mir im Allgemeinen nur Zeitarbeit. Es ist nicht auszuschließen, dass ich aus Gründen der Arbeitssuche noch einmal zum Migranten werde und mich in der Schweiz oder in Holland bewerben muss. Sich zu einem solchen Schritt zu entschließen ist sehr schwer: Das alles will mir nicht in den Kopf, denn wir sind nach Deutschland gekommen in der Hoffnung, uns hier niederzulassen, normal zu leben und zu arbeiten, und nicht unendlich durch das neue Europa zu irren." Auf die Frage „Worin besteht Ihrer Meinung nach eine gelungene Integration?" antworteten die befragten Migranten verschieden, doch außerordentlich bezeichnend ist die Meinung, dass „wenn ein Mensch arbeitet und damit seine Familie unterhält, er nicht mehr integriert werden muss: Er lebt nach den Gesetzen der Gesellschaft, stellt ihr seine Arbeitskraft zur Verfügung und erhält von der Gesellschaft dementsprechend ein vollwertiges Leben". Leider hat eine Arbeit für 1,50 Euro keiner der Befragten zu den Kriterien eines „vollwertigen" Lebens gezählt. Abzuwarten bleibt, wie die Teilnehmer der Integrationskonferenz am 8. Mai diese Frage beantworten werden.

T. Frank