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für den Stadtteil Marzahn-NordWest
Womit kann das Theater heute noch locken? Wenn es ein „eigenes Theatermysterium" schafft, wie es zum Beispiel das Berliner Tschechow-Theater tut, fernab von müßiger städtischer Betriebsamkeit, in Marzahn-NordWest, das zudem noch von Migranten dicht besiedelt und von der Aufmerksamkeit der schöpferischen Elite und der High Society der Hauptstadt nicht eben verwöhnt ist. Es versteht sich von selbst, dass es eine Vielzahl von Antworten gibt. Für viele ständige Besucher ist dies eine der wenigen Kulturstätten in unmittelbarer Nähe. Für die anderen, beispielsweise für einheimische Deutsche und die Kinder von Migranten, sind die Inszenierungen der russischsprachigen Truppe BTT T&T (Theater und Tanzen) eine einzigartige Möglichkeit, tadellos richtiges Russisch zu hören. Einer der Schauspielerinnen des Theaters, einer Spätaussiedlerin, hat nur die überaus anstrengende und intensive Arbeit in der Truppe geholfen, den plötzlichen Verlust ihres Mannes zu verkraften und weiterhin die vier Kinder großzuziehen. Tamara Badt, eine ehemalige Maskenbildnerin des Opern- und Balletttheaters Dnepropetrowsk, kann hier in Deutschland auf diese Weise ihre Liebe und Verbundenheit zum Theater aufrechterhalten, und Valerij Edel, Ludmila König, Rosa Strauch und Klaudia Dessert können sich ein Leben ohne das Theater nicht mehr vorstellen. Sie alle sind Schauspieler der so genannten „erwachsenen" Truppe, die nach ihren eigenen Aussagen „eine neue Familie, wunderbare Gleichgesinnte am Theater" gefunden haben. Die Jugendgruppe glänzt mit den Talenten von Julia Zup, Katerina Titowski und natürlich Nikolai Asmolov, der außerdem gestalterisch tätig und, darin sind sich alle einig, der gute Geist des Theaters geworden ist. Die Intensität der Proben, der „Durchläufe" und der Auftritte ist für Amateurschauspieler beeindruckend: Minimum sind zwei Proben pro Woche, zwei bis drei Auftritte im Monat, und alle vier bis fünf Monate neue Inszenierungen. Im Repertoire sind die Klassiker Tschechow und Sologub, aber auch Stücke moderner Autoren: von Filatow und Ljapin. Es gibt auch Inszenierungen zu eigenen Werken der künstlerischen Leiterin der russischsprachigen Theatertruppe Natalia Sudnikowic. Ihre feste Überzeugung ist es, dass das Theater insgesamt eine Sphäre ist, „um Menschen an die moralischen Werte der geistigen Welt heranzuführen". Und die Theateraufführungen in russischer Sprache sind eine weitere großartige Möglichkeit zu versuchen, „die Welt durch die Kultur" zeigen, insbesondere die russische Klassik und Werke der beliebtesten russischen Autoren. A.V.
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