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Integration braucht Dialog

Staatssekretärin Hella Dunger-Löper
Staatssekretärin Hella Dunger-Löper
Während der Podiumsdiskussion
Während der Podiumsdiskussion

Diese Forderung der Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Hella Dunger-Löper, zog sich wie ein roter Faden durch die Integrationskonferenz Marzahn-NordWest am 8. Mai. In unserer stark vom demografischen Wandel betroffenen Gesellschaft gibt es auch keine Alternative zur Integration, führte sie weiter aus. Es sei wichtig, den Zuwanderern die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben in den Quartieren zu ermöglichen, was auch mit dem Programm Soziale Stadt unterstützt wird. Die Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle verwies auf einen weiteren Aspekt erfolgreicher Integration: die Erwerbstätigkeit der Menschen mit Migrationshintergrund stärkt nicht nur ihr Selbstbewusstsein, sondern auch den Integrationswillen. Viele von den Russlanddeutschen wiesen eine hohe berufliche Qualifikation auf - Ressourcen, die nicht ungenutzt bleiben sollten. Über Stand und Perspektiven der Zuwanderung in Deutschland referierte Prof. Dr. Walter Siebel von der Universität Oldenburg. Derzeit leben 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. So verschieden wie die Gründe dafür sind auch die kulturellen Unterschiede. Integration beginne deshalb mit jedem Zuwanderer aufs Neue. Schulen und Betriebe seien entscheidende Orte für Integration, insbesondere die Wohnquartiere gewinnen zunehmend an Bedeutung. Cornelia Cremer von der Urban-Plan GmbH betonte, dass Integrationspläne wichtige Instrumente für eine Integration in den Sozialräumen sind und stellte Beispiele aus Marzahn-NordWest vor. Dort beträgt der Anteil der Zugewanderten ohne deutschen Pass 6,2 Prozent, der Spätaussiedler mit deutschen Pass rund 20 Prozent. Sie hob dabei den positiven Effekt hervor, dass ohne Zuwanderung der zu verzeichnende Bevölkerungsrückgang wesentlich höher ausgefallen wäre. Im Stadtteil gäbe es eine sehr vielfältige Integrationslandschaft, die das Leben dort bereichere. Deshalb sei es wichtig, zukünftig Strategien zu entwickeln, um diese Potentiale zu erhalten, wenn die Förderung durch das Programm Soziale Stadt auslaufe. In einer anschließenden Podiumsdiskussion berichteten Projekte aus dem Stadtteil über ihre Erfahrungen mit der Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen. Zustimmung erhielt Gabriele Geißler von „Kiek in" e.V., als sie sagte, dass nur durch gemeinsame Arbeit Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut werden könnten. Im Nachbarschaftshaus gäbe es dazu gute Erfahrungen, Migranten und Einheimische kämen zusammen und entwickelten gemeinsam Angebote. Für Jutta Gerstenberger vom caritas Migrationszentrum Marzahn-Hellersdorf steht die Aktivierung der Migranten in Kooperation mit allen Trägern vor Ort im Vordergrund. Das unterstützte auch Dr. Viktor Fromm von AoA/Ball e.V. Die Aussiedler seien qualifiziert und könnten ihr Leben selbst gestalten, wenn man sie lässt. Es gäbe positive Beispiele von erfolgreichen Unternehmensgründungen, die auch Arbeitsplätze geschaffen hätten. Thu Bui vom Verein „Reistrommel" e.V. sprach von den Erfahrungen mit Vietnamesen in der Beratungsstelle. Bei ihnen stünde besonders die Bildung hoch im Kurs. Deshalb wollten sie die gut ausgebildete zweite Generation, die die deutsche Gesellschaft kennt, als Brücke nutzen für die bessere Integration der ersten Generation. Lidia Fischer, Leiterin der Galerie KLIN, möchte, dass sich die Neubürger mit ihrem kulturellen Potential den Bewohnern vorstellen. Die Galerie hat inzwischen einen Förderkreis, der sie unterstützt, insbesondere auch bei der Kommunikation mit den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Am Nachmittag fanden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz, die im Auftrag der QuartiersAgentur von Frau Dr. Ingeborg Beer organisiert wurde, in Arbeitsgruppen zusammen und sprachen über Chancen durch Bildung und Erziehung sowie Möglichkeiten der interkulturellen Öffnung der Dienste und Einrichtungen. Neben der Migrationsbeauftragten des Bezirks, Elena Marburg, zog Philipp Mühlberg, bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zuständig für die Berliner Quartiersmanagements, zum Abschluss ein positives Resümee: Marzahn-NordWest ist mit dieser gelungenen Konferenz auf dem richtigen Weg zu einem nachhaltigen Integrationskonzept. Schließlich sei Integration ein zentrales Handlungsfeld in der Quartiersarbeit. Er betonte, dass dies ein Prozess sei, in dem sich die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Kräfte zusammenfi nden müssen, um gemeinsam zu handeln. Immerhin sei Integration in den letzten 400 Jahren in Berlin immer gelungen.

Text/Fotos: ReF