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Swetlana Schneider ist eine jener Russlanddeutschen, die sich ihren Arbeitsplatz selbst geschaffen und sich in Deutschland selbstständig gemacht hat. Sie hat den Pflegedienst „EVENTUS" in Ahrensfelde gegründet. Bereits um sechs Uhr morgens wartet der erste Patient auf Swetlana: Heinz Weis aus Hellersdorf. Er ist bereits seit 22 Jahren in Rente, hat 50 Jahre gearbeitet. Swetlana fragt ihn nach seinem Gesundheitszustand, verabreicht ihm Augentropfen und geht in die Küche, um das Frühstück vorzubereiten. Herr Weis antwortet gern auf die Fragen, denn er ist mit dem Pflegedienst sehr zufrieden: Die Mitarbeiterinnen der Firma EVENTUS nennt er „meine Mädels". Sie kommen zweimal am Tag: morgens und abends. Wie viele alte Menschen klagt er über die Einsamkeit und darüber, dass seine Kommunikation im Wesentlichen mit dem Fernseher stattfindet: „Ehrlich gesagt, habe ich früher, zu DDR-Zeiten, ruhiger gelebt. Jetzt ist so eine Zeit, wo alles reine Hektik ist." Swetlana verabschiedet sich von ihm bis zum Abend, wir fahren weiter. Bis zum Mittag müssen noch sieben Patienten besucht werden, danach geht es ins Büro, dann warten wieder Patienten. Auf die Frage, ob es nicht schwierig sei, in solch einem Rhythmus zu arbeiten, antwortet Swetlana: „Das ist Gewohnheitssache. Ich weiß, dass das meine Arbeit ist und dass ich ein Maximum schaffen muss." Den Pflegedienst EVENTUS hat Swetlana Schneider im August des vergangenen Jahres gegründet. Das Geschäft läuft gut, die Firma wächst. Inzwischen sind schon zwei Mitarbeiterinnen angestellt, eine einheimische Deutsche und eine Aussiedlerin. Swetlana ist bereit, noch einen Arbeitsplatz zu schaffen: Sie braucht dringend eine Krankenschwester. „Ich arbeite gern mit Deutschen zusammen, sie sind pünktlich und pflichtbewusst. Probleme gibt es dabei nicht, weder in der Kommunikation noch in der Arbeit", erläutert Swetlana, während wir in ihrem Auto zum nächsten Patienten fahren. Auf die Frage, ob ihr der Entschluss schwer gefallen sei, sich selbstständig zu machen, antwortet Swetlana: „In sieben Jahren habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Ich habe drei Jahre lang eine Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht, danach in Pflegeheimen gearbeitet. Dann habe ich mir überlegt: Warum kann ich eigentlich nicht selbst einen Pflegedienst aufbauen? So wurde EVENTUS geboren. Meine Patienten wissen, dass ich aus Russland komme. Ich verheimliche das auch nicht. Ich habe aber auch nie eine Verstimmung aus diesem Grunde festgestellt. In der ersten Zeit werde ich natürlich genauer angesehen, aber nach und nach entsteht volles Vertrauen. Bemerkenswert ist, dass von 411 Pflegediensten in Berlin mehr als 60 ‚russischsprachig' sind, das heißt, sie wurden von Migranten begründet. Und das sind zusätzliche Arbeitsplätze auch für die einheimische Bevölkerung." Mit der deutschen Sprache hat Swetlana keine Probleme: „Zu Hause sprechen wir alle Sprachen", sagt sie und lacht. Die Schneiders sind 1995 aus der kasachischen Stadt Uralsk nach Deutschland gekommen. Sie haben es gleich geschafft, hier Arbeit zu finden. Swetlana unterstreicht, dass sie sich mit der Arbeitssuche keine Zeit gelassen haben, denn „nach Deutschland zu kommen und nicht zu arbeiten, wäre einem Todesurteil gleich gekommen. Schwierigkeiten sind dazu da, um überwunden zu werden."
L. Fischer