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Das Porträt von Anton Pawlowitsch Tschechow, einem der tiefsinnigsten russischen Schriftsteller, empfängt uns am Eingang des deutsch-russischen Zimmertheaters in Marzahn- Nordwest, das seinen Namen trägt. Am 31. Mai fanden sich hier zahlreiche Gäste ein, denn das Theater feierte ein Jubiläum: Es wurde vor genau fünf Jahren gegründet. Diese Feier wurde mit einer Szene aus dem ersten Stück des Theaters, dem „Bären" von Tschechow, eröffnet. Lutz Wunder, der Vorsitzende des Kulturrings in Berlin e.V., unter dessen Schirmherrschaft das Theater tätig ist, hielt eine Ansprache: „Fünf Jahre sind eine kurze Zeit. Doch dafür, dass das Theater vollwertig kreativ tätig sein kann, wurde viel Arbeit geleistet. Es entstand spontan, durch die Bemühungen einiger Enthusiasten. Auf die Beine geholfen hat dem Theater im Jahre 2002 die finanzielle Unterstützung durch den Quartiersfonds. Zu diesem Zeitpunkt wurden auf Beschluss einer von den Bürgern des Stadtteils gewählten Jury, die eine Million Mark zu verteilen hatte, die für das Theater notwendigen Mittel bereitgestellt." Auch die Theaterdirektorin Dr. Alena Gawron sprach zu den Anwesenden: „Wir sind glücklich, dass sich unser Theater von einem Theater am Stadtrand zu einem wichtigen Zentrum des kulturellen Lebens entwickelt hat. Wir haben als klassisches Theater begonnen, inzwischen laden wir auch zu Literaturlesungen ein, zu Kabarettveranstaltungen, verschiedenen Theaterstücken und Programmen für Kinder, Jugendliche und Senioren." Am Jubiläumsprogramm beteiligten sich auch die Jugendtheatergruppe „T&T", das Kinderstudio „Sonnenschein" und das Kabarett „Tschechow as you like" (Marie e.V.). Auf die Frage, was ihr das Tschechow-Theater bedeute, antwortete die Übersetzerin Carola Jürchott, die auch einige Zeit in Moskau studiert hat: „Für mich ist das ein Ort der Begegnung mit der russischen Kultur. Das Tschechow-Theater bietet immer etwas Neues, Interessantes. Ich erinnere mich noch an die erste Vorstellung des ‚Bären' von Tschechow und daran, wie hier eine russischsprachige Truppe und ein deutsches Ensemble gemeinsam aufgetreten sind. Für mich ist das Theater um so wichtiger, als es eine der wenigen russischen Kulturstätten in Berlin ist." Die Theaterregisseurin Natalia Sudnikovic bemerkte: „Paradox ist, dass zu unseren Premieren mehr einheimische Deutsche kommen. Ihnen gefällt die russische Musik, die russische Kultur, das russische Temperament." Unweigerlich stellt man sich die Frage: Könnte Tschechow hier, am Berliner Stadtrand, leben? Die Frage bleibt unbeantwortet. In den Ring, den der Schriftsteller getragen hat, waren die Worte eingraviert: „Für den Einsamen ist überall Wüste"... Nichts konnte er besser als die Dramen des Alltags zu beschreiben. Wahrscheinlich steht er dem deutschen Leser deshalb so nahe, der ironische, ernsthafte, tragische Tschechow. Es ist gut, dass das Theater seinen Namen trägt und dass sein Geist so schon seit fünf Jahren unsichtbar auch in unserem Alltag präsent ist.
L. Fischer
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