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Aufwändiges Verbraucherinsolvenzverfahren

Eigentlich kann jeder, der zahlungsunfähig ist, beim Amtsgericht das Verbraucherinsolvenzverfahren beantragen. Doch es lohnt sich nicht für jeden. Man sollte schon sehr tief in den Schulden stecken und ein hohes Maß an Disziplin aufbringen, um den langen und dornenreichen Weg des Verfahrens durchstehen zu können. Es beginnt mit der Antragstellung: Ein grandioser bürokratischer Aufwand! Es sind ca. 100 Seiten zu beantworten. Und wenn sich in den Unterlagen nur ein Fehler eingeschlichen hat, darf alles noch einmal neu eingereicht werden. Dann muss sich der Schuldner auf eine Gesamtdauer von 9 bis 10 Jahre einrichten, bevor er von allen Gläubigern befreit ist. Denn nach erfolgreichem Abschluss des regulären Insolvenzverfahrens bleibt der scheinbar von den Schulden Befreite meist noch auf den Verfahrenskosten sitzen, die mindestens 1.700 Euro betragen. Dann kommen weitere drei Jahre, nach denen er dann auch von dieser Last befreit werden kann. Sie sollten auch wissen, dass das Insolvenzverfahren den Antragsteller nicht von allen Schulden befreit. Zum Beispiel Schulden wegen Geldstrafen und wegen Schadenersatz bei Diebstahl oder Körperverletzung sind ausgenommen. Die Eröffnung wird über Internet öffentlich bekannt gegeben. Auch das ist nicht jedermanns Sache. Und dann hat sich der Schuldner während der 6 Jahre dauernden sogenannten Wohlverhaltensperiode Kontrollpfl ichten zu unterwerfen, die noch einen Zacken schärfer sind als beim Bezug von Arbeitslosengeld II. Wehe, wenn der Betroffene ein Einkommen nicht meldet! Erst vor kurzem konnten wir mit Müh und Not in der Schuldnerberatung einen Kollegen vor dem Abbruch des Verfahrens retten. Seine Sünde: Er hatte nach vier Jahren absolut bravem Verhalten neue Verdienstbescheinigungen nicht dem Gericht gemeldet. Ich will niemand von einem Verbraucherinsolvenzverfahren abraten. Aber jeder Interessent sollte sich über die Bedingungen ausführlich in der Schuldnerberatung informieren.

Marina Krause
(Frau Krause ist seit Juni 2007 Mitarbeiterin der Schuldnerberatung des Kiek in e.V. Berlin)