Unabhängige und überparteiliche Zeitung
für den Stadtteil Marzahn-NordWest
Anlass zu zwei folgenden Anmerkungen gab mir der Brief von Bernd Haeger in der letzten Ausgabe der Stadtteilzeitung „Nord-West". So fragte er, warum denn einige Artikel im Russischen erscheinen müssen, wenn es für Spätaussiedler Kurse in der deutsche Sprache gibt? Obwohl es mir (bin auch ein Aussiedler) persönlich inzwischen viel einfacher fällt, auf Deutsch als auf Russisch zu kommunizieren, ist folgende zu bedenken: so weit mit der Sprache bin ich erst nach zehn Jahren hier in Deutschland gekommen. Bei älteren und sprachlich vielleicht nicht so gewandten Leuten dauert dieser Prozess länger, eine Sprache lässt sich leider bei allen Anstrengungen nicht von heute auf morgen lernen. Ich glaube nicht, dass es im Sinne des Briefschreibers wäre, diese Menschen von den Geschehnissen im Stadtteil auszuschließen und sich in die parallele russische Welt zurückzuziehen. Das wird bestimmt die Integration nicht befördern. Und die zweite Anmerkung gilt der Meinung von Herrn Haeger, dass junge Ausländer nur Unfug treiben und sich keine Mühe zur Integration geben. Was mich dabei gestört hat, ist die Verallgemeinerung, dass pauschal alle jungen Ausländer angeprangert werden, nur herumzuhängen und unser soziales System auszunutzen. Bestimmt gibt es auch solche, auf die Herr Haeger aufmerksam macht, aber eine ganze Gruppe als asozial nur nach dem Herkunftsprinzip abstempeln, ist schon stark an der Grenze dessen, was unsere Verfassung verbietet. Ich hoffe, dass es nicht so gemeint war. Außerdem haben wir schon oftmals berichtet, dass viele dieser jungen Menschen genau so wie ihre Zeitgenossen nach einer Ausbildung suchen oder tagtäglich zur Arbeit gehen. Auch in dieser Ausgabe berichten wir von so einem guten Beispiel, von der Sängerin Helene Fischer, die sich gerade auf Tournee in Berlin befindet. Störend ist diese selektive Kritik gegen junge Ausländer, obwohl auch so mancher einheimische Jugendliche keinen Bock auf einen Job hat. Abgesehen davon, dass die Situation um die Ausbildung und die Einstiegsmöglichkeiten ins Berufsleben heutzutage eine einzige Katastrophe ist, egal ob für die Einheimischen oder die Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Alexander Reiser
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