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für den Stadtteil Marzahn-NordWest

„Etwas mehr Objektivität in der Migrantenfrage...“

Tatiana Mateskova zu Besuch im Vision e.V.
Tatiana Mateskova zu Besuch im Vision e.V.

Die Soziologin Tatiana Matejskova lebt in den USA und schreibt ihre Habilitationsarbeit an der Universität des Staates Minnesota. Ihre Forschungsarbeit befasst sich mit den Problemen von Migranten in der modernen Welt. Gegenwärtig ist Frau Matejskova in Berlin und sammelt Material über die Integration der Spätaussiedler (der Deutschen aus Russland). Ihr Interesse an Marzahn ist nicht zufällig: Hier lebt eine erhebliche Anzahl der Berliner Spätaussiedler, und die QuartiersAgentur Marzahn-NordWest leistet seit vielen Jahren Integrationsarbeit. Frau Matejskova stellte sich den Fragen der NW-Reporterin.

Frau Matejskova, warum haben Sie ein wissenschaftliches Interesse an diesem Thema?
Das lässt sich wohl vor allem damit erklären, dass ich selbst Migrantin bin. Meine Wurzeln liegen in der Slowakei, ich habe in Deutschland, in Regensburg, studiert. Dort habe ich meinen späteren Mann, einen Amerikaner, kennen gelernt. Jetzt lebe ich in den USA. Deshalb betreffen mich all die Fragen, die mit der Eingewöhnung von Migranten in einem neuen Land verbunden sind, sowohl berufl ich als auch rein menschlich.

Warum sind die Spätaussiedler Ihr Forschungsgegenstand geworden?
Auf das Thema der deutschen Spätaussiedler hat mich das Leben selbst gestoßen: Als ich in Regensburg studiert habe, habe ich im Sommer, wie viele Studenten, in einer Fabrik gearbeitet. Eine meiner Kolleginnen in der Nachtschicht war eine Spätaussiedlerin aus Kasachstan. Ich habe mich mit ihr viel über dieses Thema unterhalten. Bis dahin hatte ich nichts von dieser Migrationswelle gehört, weder in der Presse noch an der Universität. Deshalb hat mich das interessiert. Je länger ich mich mit dem Problem befasste, schien es mir, dass die Integration der Spätaussiedler in der Öffentlichkeit einen negativen Beigeschmack hatte, dass sie eindeutig nicht objektiv vermittelt wurde, sondern stark vereinfacht nach der Devise: Es ist alles schlecht. Diese politische Nuance hat mich überrascht. Mehr noch, es stellte sich heraus, dass auch die Soziologen, die sich mit dem Thema befassen, sich nicht wirklich damit auseinander setzen und begreifen wollen, wie diese Menschen tatsächlich leben.

Denken Sie, dass Ihre Forschungsarbeit einen praktischen Nutzen haben kann?
Das ist schwer zu sagen, doch jeder Versuch eines objektiven Herangehens an das Problem bringt einen Nutzen. Das ist einer der „Tropfen", die den „Stein" einer oberflächlichen und einseitigen Vorstellung über die Migranten mit russlanddeutschen Wurzeln „höhlen".

Warum gerade Marzahn-NordWest?
Diesen Stadtteil erforsche ich seit 2005. Man kann hier eine Vielzahl positiver Beispiele der Arbeit mit Migranten finden. Seit vielen Jahren gibt es die QuartiersAgentur, eine soziale Einrichtung, die eine große Menge von Integrationsprojekten unterstützt. Ich kann sagen, dass das Verhältnis der Öffentlichkeit zu den Migranten sich, wenn auch langsam, zum Positiven wendet. Schließlich kann die Gesellschaft nicht bis in alle Ewigkeit in einheimische Bürger und Migranten gespalten bleiben. Die Menschen werden toleranter und geduldiger in ihrem Verhältnis zueinander.

L. Fischer