Unabhängige und überparteiliche Zeitung
für den Stadtteil Marzahn-NordWest
Unser kleiner Kreis von schreibbegeisterten Marzahnern trifft sich ein- bis zweimal im Monat von 17.30–19.00 Uhr im „Kiez-Treff West“, Ahrensfelder Chaussee 148, am S-Bahnhof Ahrensfelde, Einzelheiten unter Tel.: 93665380. Unser Motto lautet: „Schreiben kann jeder, man muss nur den Mut dazu haben“. Begebenheiten des Alltags spiegeln sich in unseren Kurzgeschichten wider. Heute eine von Marianne Marquardt.
Unser Kiez in Marzahn-NordWest ist zu jeder Jahreszeit schön, aber im Herbst hat er seine ganz besonderen Reize. In jeder Straße, jedem Park und in jedem Wohnhof verfärben die vielen Bäume ihr Laub zu einer bunten Farbenpracht. Wenn ich aus meinem Fenster sehe, blicke ich auf leuchtend gelbe Ahornbäume, rotbraune Kastanien, dazwischen grazile Birken mit noch grünem Laub und kleine Ebereschen mit ihren knallroten Beeren. Bunte Hecken rahmen das Ganze ein. Man möchte meinen, die Gärtner haben diese Farbkompositionen des Herbstes ganz bewusst beim Pflanzen ausgewählt. Ich erinnere mich, wie trostlos unser Innenhof noch Jahre nach unserem Einzug aussah. Bauschutt und hohe Lehmberge prägten das Bild zwischen dem Häuserkarree. Dann wurde zaghaft mit der Beräumung und dem Anlegen eines Spielplatzes und einer großen Rasenfläche begonnen. An zwei Seiten des Hofes wurden für die Erdgeschosswohnungen Mietergärten angelegt, die schnell und mit viel Phantasie zu kleinen grünen Oasen von den Familien gestaltet wurden. Jetzt verfügt fast jeder Garten über einen komfortabel ausgestatteten Grillplatz, der natürlich im Sommer jedes Wochenende zu mehr oder weniger lauten Familienfeiern genutzt wird. Das Echo im Hof ist entsprechend, so dass man zu dieser Jahreszeit sein Schlafzimmerfenster geflissentlich geschlossen halten sollte. Denn neben den „Kleingärtnern“ sind natürlich auch die „Balkonier“ kräftig am feiern. Welch herrliche Ruhe hingegen herrscht in unserem Hof mit dem beginnenden Herbst. Die Tage werden kühler und auch kürzer. Das Ballspielen in der Freizeitanlage verebbt mit den letzten Lichtstrahlen. Die hellerleuchteten Fenster werfen ihr gespenstiges Licht auf den dunklen Hof . Die beginnende Nachtkühle macht sich langsam im Zimmer breit. Herrlich frische Luft zum Einschlafen. Aber noch schweifen meine Gedanken beim Blick aus dem Fenster hinaus in die Ferne. Im Abstand von wenigen Minuten überfl iegen Flugzeuge unseren Hof , gleich werden sie in Tegel landen. In der beginnenden nächtlichen Stille hört man die weit entfernten Geräusche der Großstadt; das Rattern der Straßenbahn, das schnelle Überfahren der Schienenstöße durch die S-Bahn, das Anfahren der Schwerlaster auf ihrem Weg zur Autobahn. Der Puls des Lebens schlägt Tag und Nacht unaufhörlich, nur nehmen wir ihn nicht immer wahr. Ein Spätabend im Herbst hat ihn für mich hörbar gemacht.