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„Das gebrochene Schweigen“

W. Polenski und R. Zander an der originalgetreuen Nachbildung eines Arbeitslagers
W. Polenski und R. Zander an der originalgetreuen Nachbildung eines Arbeitslagers

Unter diesem prägnanten Titel wurde am 21. September dieses Jahres in den Räumen des Berliner Tschechow-Theaters (Märkische Allee 410, 12689 Berlin, Tel. 93661078) eine Wanderausstellung des ersten Museums der Russlanddeutschen, das vom Lyra e.V. in der Hauptstadt aufgebaut wird, eröffnet. Die Wanderausstellung wurde auf Initiative des Lyra e.V. mit Unterstutzung des Berliner Senats geschaffen. Dass sie im Tschechow-Theater veranstaltet wurde, ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen des Lyra e.V., des Kulturrings in Berlin e.V. und des Projekts AoA (BALL e.V.). Dies ist nun schon der dritte Standort der Ausstellung. Erstmalig vorgestellt wurde sie im Sommer dieses Jahres im Stadthaus Lichtenberg, anschließend fur die Abgeordneten der Bezirksverordnetenversammlung im Freizeitforum Marzahn. Das grundlegende Leitmotiv der Ausstellung ist es, „das Schweigen zu brechen” und sowohl einheimischen Deutschen als auch Spataussiedlern selber, insbesondere den jungen Leuten, die tragische Geschichte der Russlanddeutschen nahe zubringen: die komplizierten Verwicklungen ihrer Schicksale, die Schwierigkeiten und Entbehrungen, die in der ehemaligen UdSSR bewusst verschwiegen wurden und uber die die Bevolkerung in Deutschland ungenugend informiert ist. Unter den Ausstellungsexponaten befindet sich eine große Anzahl historischer Dokumente, Siedlungskarten der Russlanddeutschen, ihre Deportationsorte, statistische Angaben, aber auch Materialien und Fotografien aus den personlichen Archiven der Aussiedler selbst. Die ebenfalls ausgestellten alten Haushaltsgegenstande vermitteln eine Vorstellung uber das tagliche Leben in den Kolonien. Einen besonderen Platz in der Ausstellung nehmen Modelle ein, wie zum Beispiel das Modell eines Lagers in Sibirien, das nach den Beschreibungen und Skizzen von Insassen der Arbeitsarmee (A. Frank, G. Hummel) angefertigt wurde, oder die originalgetreue Nachbildung eines Hauses aus dem Jahre 1901, das ein Russlanddeutscher auf dem Gebiet der ehemaligen Republik der Wolgadeutschen gebaut hatte und das bis heute an seinem früheren Platz steht. Bemerkenswert ist, dass die Arbeit an den Modellen unter der Leitung der einheimischen Deutschen R. Zander und W. Polenski sowie unter tatkräftiger Mithilfe der Spataussiedler stattfand. Jelena und Juri Kandala sind sogar extra ins Gebiet Saratow gefahren, um Ausstellungsstücke zu beschaffen. Auch die Muster von Kleidungsstücken der Russlanddeutschen aus dem 19. Jahrhundert, die nach eigenen Schnitten von den Spataussiedlerinnen L. Pentschuk, S. Petker und L. Thiel (Marzahn-Nordwest) selbst genaht worden waren, zogen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Die Ausstellung ist ein untrennbarer Bestandteil des im Jahre 2005 vom Verein Lyra e.V. begonnenen großen Projektes zum Aufbau eines standigen Museums der Russlanddeutschen in Berlin, für das noch ein geeigneter Raum gesucht wird. A.P.

Öffnungszeiten der Ausstellung 
21. September bis 8. Oktober 2007
Mo 9.00 – 15.00 Uhr
Di, Fr 9.00 – 17.00 Uhr
Do 9.00 - 12.30 Uhr