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Drogen sind eine ernste Sache!

Laura Schlothauer
Laura Schlothauer

Laura Schlothauer (s. Foto), 38, kam 1996 als Spataussiedlerin aus Kasachstan nach Deutschland. Dort hatte sie die Grafikfakultat absolviert und als Lehrerin fur Kunsterziehung und technisches Zeichnen gearbeitet. Wie bei vielen anderen Aussiedlern wurde ihr Diplom in Deutschland nicht anerkannt. 1998 begann Laura ein Studium an der Alice-Salomon-Fachschule in Berlin-Hellersdorf. 2003 nahm sie ihre Arbeit als Beraterin im Projekt VISTA zur Jugend- und Drogenberatung Berlin-Marzahn auf.

Erzählen Sie bitte über die Arbeit des Beratungszentrums Vista!

Das Zentrum wurde 1997 zur Prophylaxe der so genannten „russischen” Drogenabhangigkeit in Berlin und zur Losung der damit verbundenen Probleme gegrundet. Zu jener Zeit arbeitete dort ein Spezialist, jetzt sind es 13 bis 14. Das heißt, die Probleme sind nicht weniger geworden. Die Organisationsstruktur besteht aus drei Abteilungen: Beratung, ABO (Arbeit, Bildung, Orientierung) und der Abteilung fur psychosoziale Unterstutzung.

Unterscheiden sich die russischsprachigen Migranten von anderen Drogenabhängigen?

Ja, und zwar dadurch, dass sie gleich beginnen, harte Drogen zu nehmen. Wahrend die einheimischen Drogenabhangigen in der Mehrzahl „Gras rauchen“ (Cannabis), nehmen die Migranten aus den Landern der ehemaligen Sowjetunion gleich Praparate der Opiatgruppe: Heroin und Kokain.

Wie sieht Marzahn-Hellersdorf im Vergleich zu anderen Bezirken Berlins in dieser Hinsicht aus?

Eine absolut genaue Statistik gibt es nicht. 2006 erhielten in unserem Zentrum 90 Personen eine Beratung, die Halfte von ihnen war russischsprachig. Die Halfte davon stammte aus Marzahn-Hellersdorf. Das Durchschnittsalter der Beratungssuchenden betragt 26 Jahre, obwohl auch schon 14-jahrige Drogenabhangige zu verzeichnen sind. Diese Statistik ist naturlich deprimierend.

Was ist zu tun?

Drogenabhangigkeit ist eine schwere chronische Krankheit. Sie ist sehr schwer zu therapieren. Eigentlich wissen das alle, und trotzdem „probieren” die Jugendlichen Drogen, wobei sie fest davon uberzeugt sind, dass ihnen „so etwas nicht passieren kann”. Die Naivitat und der Leichtsinn der russischsprachigen Jugendlichen sind in dieser Hinsicht einfach erschutternd. In der Regel haben auch die Eltern kaum eine Ahnung davon. Man kann nur einen Rat geben: „Niemals, unter keinen Umstanden, in keiner Gesellschaft, zu Drogen greifen!” Wenn es aber schon zu spat ist und Hilfe benotigt wird, sollte man sich an Fachleute wenden. Die Beratungen bei VISTA sind anonym und kostenlos.

Und die Prophylaxe?

Das ist eine der Hauptrichtungen unserer Arbeit. Hierbei mochte ich besonders auf unser Projekt „Chance” hinweisen, das seit Oktober 2006 besteht. Es umfasst die Prophylaxe, die Vorbereitung zur Therapie, die Arbeit von Selbsthilfegruppen (eine von ihnen ist die Selbsthilfegruppe der Eltern von Drogenabhangigen, deren Grunder und Leiter Michail Dubrovski ist; die Gruppe trifft sich in unserem Zentrum einmal monatlich).

L. Fischer