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Bleiben oder gehen? Russland oder Deutschland?

Vor kurzem meldeten russische und deutsche Medien, dass auf die Anordnung Nr. 1143-r der Regierung der Russischen Föderation hin das Konzept für ein Föderationsprogramm zur „Entwicklung des sozial-ökonomischen und ethnisch-kulturellen Potenzials der Russlanddeutschen für die Jahre 2008–2012“ angenommen wurde. Hierfür sollen ca. 80 Mio. Euro bereitgestellt werden. Und auch wenn dieses Programm für jene Russlanddeutschen gedacht ist, die beabsichtigen, aus den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken nach Russland umzuziehen, und dazu beitragen soll, ihre Lebensbedingungen in ihren Siedlungsgebieten in Russland selbst zu verbessern, stellt sich doch die Frage: Was halten eigentlich die Spätaussiedler davon, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach Deutschland gekommen sind und hier ihren festen Wohnsitz genommen haben? Wären sie beispielsweise bereit, aus Deutschland nach Russland zurückzukehren? Viktor Fromm, der Leiter des Projekts „AoA“ (BALL e.V.) meint, dass die russische Regierung mit diesem Beschluss eindeutig zu spät kommt. „Wir leben in einer freien Welt, die Grenzen sind seit langem offen, und wer nach Russland zurückkehren wollte, hatte schon lange die Möglichkeit, das zu tun. Ich glaube nicht, dass ein solches Programm etwas verändert, denn auch die deutsche Regierung hat schon vor langer Zeit Geld in den Bau von Siedlungen für die Russlanddeutschen investiert, aus denen die Menschen dann trotzdem nach Deutschland übergesiedelt sind.“ Laut den Ergebnissen einer kürzlich durchgeführten soziologischen Untersuchung können sich lediglich 1 % der in Marzahn-Hellersdorf lebenden Aussiedler überhaupt vorstellen, in ihre frühere Heimat zurückzukehren. Elena Eske hat dafür die folgende Erklärung: „Für diejenigen, die jetzt 30–35 Jahre alt sind, stellt sich die Frage einer Rückkehr meines Erachtens nicht. Wir sehen hier, in Deutschland, bessere Perspektiven für unsere Kinder. Außerdem hat sich die Situation in Russland auch verändert, seit wir ausgereist sind. Die soziale Absicherung, die wir in der Sowjetunion kannten, gibt es nicht mehr.“ Nach der Auffassung von Irina Haas frustriert viele Aussiedler die Tatsache, dass sie hier als „Schmarotzer“ abgestempelt werden. Auch das kann ein Grund für eine Rückkehr sein. Sie selbst aber meint: „Mir persönlich wurde schon eine Arbeit in Moskau angeboten, doch in meinem Alter will ich nicht noch einmal ganz von vorn anfangen.“ Weniger kategorisch äußert sich Helena Ketschik: „Ich denke, dass all diese Programme von russischer Seite nicht gut genug durchdacht sind. Sie sind nicht mehr als politische Erklärungen. Wenn sich jemand wirklich zu einer Rückkehr entschlossen hat, tut er das unabhängig von irgendeinem Programm, sondern entsprechend seiner eigenen Gemütsverfassung und seinen finanziellen Möglichkeiten. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die nach Kasachstan und Russland zurückkehren. Auch für mich selbst schließe ich einen solchen Schritt nicht aus, denn ich sehe hier für meine Zukunft keine Perspektiven. Intellektuelle werden hier als Migranten nicht gebraucht, davon gibt es auch unter den Einheimischen genug, und arbeitslose ebenso.“

Carola Jürchott

1 Kommentar
#1 Irina schrieb am 24.01.2008 14:06 answer

"Ich weiß, dass es Menschen gibt, die nach Kasachstan und Russland zurückkehren." und auch zur Recht


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