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Sabine Goßmann ist im Moment die einzige deutsche Mitarbeiterin im bezirksbekannten russischen „Feller-Markt" (Ahrensfelder Chaussee 140). In der DDR hat sie ihre Berufsausbildung als Fachverkäuferin für Fleisch und Fleischwaren abgeschlossen. Seit mittlerweile 10 Jahren steht sie wieder hinter dem Ladentisch, davon mehr als ein Jahr beim „Feller-Markt".

Wie sind Sie zum „Feller-Markt" gekommen?
Aus der Beendigung des vorhergehenden befristeten Arbeitsverhältnisses und dem Wunsch nach einem beruflichen Neuanfang heraus informierte ich mich beim Arbeitsamt und im Internet, wo ich dann auch diese Stelle gefunden habe. Ob die Ladeninhaber russische Migranten sind oder nicht, war mir insofern egal, da wir in unserer Nachbarschaft auch eine Familie aus der ehemaligen UdSSR haben und mit dieser befreundet sind.
Wie sind Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz aufgenommen worden, der für Sie neu oder ungewöhnlich gewesen sein muss?
Im Kollektiv bin ich von Anfang an höflich und korrekt aufgenommen worden. Über die Monate hat sich dann ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt, welches ich nicht mehr missen möchte. Die Arbeit hinter der Frischtheke war mir zwar vertraut, in das für diesen Markt typische Sortiment musste ich mich jedoch erst einarbeiten.
Nach Meinung der Mitarbeiter des Marktes sind Sie ruhig, pflegen mit allen gleichermaßen gute Beziehungen, handeln überlegt und hilfsbereit. Und wie schätzen Sie Ihre Beziehungen zu den Kollegen ein?
Es freut mich sehr, dass mein Umfeld so eine positive Meinung von mir hat, doch warum sollte ich anders sein als die Menschen, mit denen ich täglich zusammen arbeite?
Ich denke, dass es über die Zeit nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde für mich geworden sind, auf die man sich immer verlassen kann.
Und wie sieht es bei der Kundschaft aus?
Zu unseren Kunden zählen alle Bevölkerungsschichten von „Einheimischen" über Spätaussiedler, Migranten und Asylbewerber, kurz gesagt, Menschen, welchen unsere Verkaufskultur und das Warenangebot gefällt. Auch ich freue mich immer, wenn ich bereits bekannte Gesichter an „meiner" Theke begrüßen kann. Welcher Verkäufer freut sich da nicht!
Wie verstehen Sie einander?
Anfangs war es noch etwas schwierig, da von meinem „Schul-Russisch" nicht viel übrig war. Positiv für mich war, dass meine Kundschaft zu 75 % Deutsch spricht beziehungsweise versteht. Sprachlich ergänzen wir uns auch im Kollektiv, sodass die Sprachbarrieren für beide Seiten nicht mehr so hoch sind.
Ich weiß, dass Ihr Arbeitsweg viel Zeit in Anspruch nimmt. Wenn Sie sich dennoch dafür entschieden haben, bedeutet dies doch wohl, dass das auf andere Weise kompensiert wird. Wie?
Was ich davon habe? Ich bekomme von meinem Umfeld menschliche Wärme und die Herzlichkeit, die für Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion typisch sind, hier in der ehemaligen DDR aber großteils verloren gegangen sind, und das Gefühl, mit meinen beruflichen Fähigkeiten gebraucht zu werden.
Was, denken Sie, unterscheidet deutsche und russische Unternehmer bzw. Kollegen im Handel?
Ich habe den Eindruck, dass russische Unternehmer mehr auf ein geschlossenes Kollektiv bauen, welches füreinander da ist, um gemeinsam mit ihren Mitarbeitern etwas zu erreichen.
P.A.
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