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für den Stadtteil Marzahn-NordWest
Die Situation bezüglich der in Deutschland nicht anerkannten russischen Hoch- und Fachschuldiplome ist weiterhin katastrophal: Die Inhaber der Diplome haben keine Beschäftigung und keinen Zugang zu einer Tätigkeit, die ihrer Ausbildung entspricht. Sie sind gezwungen, sich entweder einen völlig anderen Tätigkeitsbereich zu suchen und sich mit einer schlechtbezahlten Arbeit im Dienstleistungssektor abzufinden oder sich gegen das System zur Wehr zu setzen, indem sie ALG- II-Empfänger werden, und so nach und nach an den sozialen Rand der deutschen Gesellschaft zu gelangen. Zu denjenigen, die sich mit diesem Schicksal nicht abgefunden haben, gehört die Ini-tiativgruppe des Vereins Vision e.V., die sich seit langem und auf verschiedenen Wegen bemüht, eine annehmbare Lösung für das Problem zu finden, indem sie vor allem die Öffentlichkeit und die Politik mit dem Problem konfrontiert. Denn die Schar der „Außenseiter mit nutzlosen Diplomen" nimmt zu: Gegenwärtig leben in Deutschland ungefähr 6 Millionen Aussiedler (die Familienangehörigen mitgerechnet) aus Russland, Kasachstan und anderen Ländern der ehemaligen UdSSR als vollwertige Staatsbürger. Haben eigentlich viele von ihnen einen prestigeträchtigen Platz in der deutschen Gesellschaft gefunden, gibt es für sie Aufstiegschancen? Die Antwort auf diese Fragen fällt eher negativ aus.
?Diese Meinung teilt auch Prof. Dr. Erika Maier vom Linken Wirtschaftsforum Marzahn-Hellersdorf, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Ein Treffen mit ihr fand im Oktober im Projekt „AoA" (BALL e.V.) statt. Auf die im Vorfeld verteilten Fragebögen haben mehr als 50 Personen reagiert, ungefähr 30 kamen zu dem Treffen. Es waren im Wesentlichen ehemalige Lehrer, Grundschulpädagogen und Kindergartenerzieher, also Vertreter der Geisteswissenschaften, die die Nicht-anerkennung der Diplome am stärksten zu spüren bekommen. Doch auch Angehörige des medizinischen Fachpersonals und Flugzeugmechaniker erhofften sich Antworten auf ihre Fragen.
?Alle Fragen, die Erika Maier gestellt wurden, kann man auf folgenden gemeinsamen Nenner bringen: Gibt es Hoffnung auf eine Bestätigung der Diplome, wie kann man praktisch an die Sache herangehen, und müssen wir noch lange warten? Doch Frau Maier bemerkte zu Recht, dass eine solche Aufgabe nicht an einem Tag zu lösen sei. Ein Ausweg muss gefunden werden, denn er betrifft die Schicksale von Hunderten von Menschen. Sie schlug ihren eigenen Weg vor: Zur Anerkennung des Diploms müsste man ein einjähriges Berufspraktikum zuzüglich einer begleitenden Ausbildung und eines berufsspezifischen Deutschkurses absolvieren und danach eine Prüfung ablegen.
? Diese Initiative wurde von allen Anwesenden begrüßt, und Frau Maier beabsichtigt, auf der politi-schen Ebene des Landes Berlin nach einer Lösung zu suchen. Den Kontakt zu ihr kann man über die Mitarbeiter des Projektes „AoA" und über die Vorsitzende des Vision e.V., Svetlana Hayduk, halten, Tel.: 93493899.
?Folgende Zahlen kamen bei dem Treffen zur Sprache: Mehr als 75 % der Hochschulabsolven-ten unter den Aussiedlern wer-den die Diplome bisher nicht an-erkannt, insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 500.000 „nicht anerkannte" Spezialisten. Wie, wenn nicht mit diesem Potenzial, könnte das Problem des „katastrophalen Fachkräftemangels in Deutschland" lösen, der zur Zeit auf allen politischen Ebenen diskutiert wird?
L. Fischer