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für den Stadtteil Marzahn-NordWest

„Kiek in e.V." ist eines der größten Kulturzentren in Marzahn-NordWest, in dem praktisch alle Richtungen der Sozialarbeit vertreten sind. Eine von ihnen ist die Integration der Migranten. Unsere Fragen zu allen Aspekten der Integration der Marzahner „Russen" beantwortete die Geschäftsführerin des Vereins Frau Gabriele Geißler.
Frau Geißler, bei einem ihrer Auftritte haben Sie erwähnt, dass die Integration von Migranten nicht nur eine schwierige, sondern auch eine langwierige Aufgabe ist.
Das würde ich auch jetzt jederzeit unterschreiben. Ein Prozess wie die Integration, wie das „Sich-Einleben", erfordert viel Zeit und ein hohes Maß an Geduld von beiden Seiten, denn wir haben es mit Menschen zu tun, mit der sensiblen menschlichen Materie, nicht mit Aggregaten aus Eisen, die in jedem beliebigen Land funktionieren. Es ist wichtig, dass die Bedingungen für eine erfolgreiche Integration geschaffen sind, und in Deutschland sind sie es. Man muss sich nur entsprechend anstrengen.
Kann Marzahn-Nordwest in dieser Hinsicht als Vorbild dienen? Steht es im Gesamtberliner Maßstab „gut da"?
Ich sage nicht, dass wir in Berlin die Besten sind, doch in unserem Bezirk wird zweifellos eine gute Arbeit in allen sozialen Bereichen geleistet. Dazu gehört auch das verzweigte Netz der Hilfe für Migranten, das bei uns geschaffen wurde. Wenn man es wünscht, kann man eine Lösung für praktisch jedes Problem finden. Unsere Marzahner „Russen",Nachbarn aus den ehemaligen GUS-Staaten, wie auch unsere Vietnamesen nutzen diese Hilfe und überwinden so viele Schwierigkeiten auf dem Weg zur Integration. Aber dennoch gibt es zweifellos noch sehr viel zu tun.
Können Sie ein Beispiel für erfolgreiche Integration bringen?
In Marzahn gibt es eine Vielzahl von Migranten, die den Weg zur Integration bereits mit Erfolg gegangen sind. Viele von ihnen haben ihre persönliche Integration im „Kiek in e.V." begonnen. So zum Beispiel unser Berater Boris Gladis, der unserem Verein seit vielen Jahren verbunden ist. Er ist ein hervorragender Fachmann, ein ehemaliger Schuldirektor. Er hat bei uns mit einer ABM-Stelle begonnen, jetzt arbeitet er ehrenamtlich. Ich denke, dass die Sozialarbeit, die alltäglichen neuen Kontakte, auch ihm selbst in vielerlei Hinsicht geholfen haben, sich zu integrieren. Meiner Meinung nach entstehen gerade bei der gemeinsamen Arbeit, der Arbeit von Einheimischen und Migranten, die notwendigen Voraussetzungen für einen Erfolg. Dennoch muss natürlich jeder seinen eigenen Weg finden. Es ist alles individuell, wie überhaupt alles im Leben.
Hinzukommt, so paradox das auch klingen mag, je weniger Sie von Deutschland erwarten, um so schmerzfreier verläuft der Prozess der Integration – und umgekehrt. Meine Beobachtungen haben ge-zeigt, dass die Menschen aus Russland häufig in unser Land kommen, sehr hohe Erwartungen haben und die deutsche Realität absolut nicht kennen. Wenn sie dann mit ihr konfrontiert werden, mit der Arbeitslosigkeit, dem Leben von Sozialhilfe, führt diese Erkenntnis dazu, dass sie von allen enttäuscht sind: von Deutschland, von Marzahn, von den neuen Nachbarn…
Wir müssen diesen Menschen helfen, die Dinge positiver zu sehen und aktiv zu werden. Natürlich gibt es nicht dieses Deutschland wie „auf den bunten idyllischen Bildchen in Großmutters Büchern". Reale Probleme haben nicht nur die Migranten tagtäglich zu lösen, sondern auch die einheimischen Bewohner. Schwer haben es alle, das möchte ich unterstreichen.
Gibt es Vorurteile gegen Migranten, und sind sie begründet? Wie kann man ihnen begegnen?
Zu uns kommen Menschen, die wir nicht kennen, in der Regel ist uns auch die Geschichte „unserer neuen Mitbürger", das heißt beispielsweise der Deutschen aus Russland, unbekannt. „Unsere neuen Nachbarn" verhalten sich häufig auch etwas reserviert, sie können schlecht Deutsch. All das ist ein Nährboden für Vorurteile oder für eine gewisse Vorsicht, so würde ich es nennen. Der sicherste Weg, gegen Vorurteile anzukämpfen, ist es, sich möglichst schnell in unsere Gesellschaft zu integrieren oder es wenigstens sichtbar zu versuchen. Wie? Indem man Deutsch lernt, Interesse für die Politik und die Kultur Deutschlands zeigt. Und nicht im eigenen Saft schmort.
Ich kann nicht sagen, dass die deutsche Mentalität besonders „offen" wäre. Auch wir müssen es lernen, auf Migranten zuzugehen, sie anzunehmen und ihnen die Chance zu geben, sich in unsere Gesellschaft integrieren zu können. Ich bin guten Mutes, dass uns das gemeinsam auch gelingen wird.
Lilija Fischer

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