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für den Stadtteil Marzahn-NordWest
NORDWEST (am) . Viele Spätaussiedler brauchen noch einige Zeit nach ihrem Ankommen in Deutschland Hilfe und Zuneigung. Boris Gladis, ein Berater im Nachbarschaftshaus „Kiek in“, gibt beides. Drei Mal in der Woche bietet er seine „Konsultationen“, wie er es nennt, an. Sie sind immer gut gebucht. Denn die Probleme der Spätaussiedler sind, vor allem wegen fehlender Sprachkenntnisse, vielgestaltig. Oft verstehen sie Briefe, die vom Amt kommen, nicht. Dann übersetzt Boris Gladis und erklärt auch gleich komplexe Zusammenhänge und Lösungen. Das Spektrum reicht von Arbeitslosengeld I und II über Miete, Rente und Sozialhilfe bis Kinderbetreuung. Für besonders schwierige Passagen der deutschen Sozialgesetzgebung verfügt er über eine russische Übersetzung. Eine ganze Reihe von Menschen fi ndet sich immer wieder bei Boris ein – sie sind sozusagen Stammkunden geworden. „Ich muss ihnen helfen. Viele sind durch die Sowjetunion geprägt, haben sich als Deutsche der russischen Mentalität anpassen müssen. Deutsch zu sprechen war ja verboten!“, erklärt er die Situation. „Nicht wenige begannen auch zu verzweifeln, wollten am liebsten wieder zurück.“ Da begann er, jeden 3. Freitag einen gemütlichen Abend für seine Klienten zu organisieren. Und spürbar hellte sich bei vielen das Gemüt auf. Sie singen und feiern nicht nur, Boris überreicht auch mit Herzblut formulierte Geburtstags-Laudatios, in denen er die Stärken und Erfahrungen der Geburtstagskinder würdigt. Seitdem, so Boris Gladis, sei bei vielen seiner Klienten die bestehende Depressivität gewichen. „Sie sagen mir, dass sie nach einem solchen Abend zwar physisch müde seien, aber seelisch begeistert für die nächsten drei Wochen“. Inzwischen nutzen sie die Donnerstage, um kostenfrei Museen zu besuchen.