Unabhängige und überparteiliche Zeitung
für den Stadtteil Marzahn-NordWest
Jeder Mensch hat eine Geschichte, die die Geschichte eines Ortes direkt oder indirekt beeinfl ussen. Von Freude, Hoffnung, Leid und Sorgen berichtet NORDWEST in der Serie ,,Marzahner Geschichte in Geschichten”. Begeben Sie sich mit uns auf eine Zeitreise in die vergangenen Jahrhunderte unseres Bezirks... Unser Autor ist Abiturient des Jahrgangs 2007, angehender Student der Geschichte und lebt in Marzahn-NordWest.

Seuchen, Missernten, Plünderungen – alles, was die Bauern fürchten, hatte der Marzahner Landarbeiter Jergen Fabian mitgemacht, als er am Ende des 30-jährigen Krieges in seine Heimat zurückkehrte. Die Schrecken des Krieges hatten auch das beschauliche Dorf Marzahn nicht verschont. Nur der 33- jährige Fabian und die Kleinbauern Wägner, Zeyen, Henckel und Specht hatten am Ende überlebt. Jetzt galt es, ganz von vorne anzufangen. Aber die Bedingungen dafür waren schlicht katastrophal. Verbrannte Häuser, verbrannte und unfruchtbare Äcker und schließlich die Pest – die Männer waren beinahe jeden Tag verzweifelt. Denn es starb auch das Vieh. Wovon sollte man leben? Mit wem wollte man handeln? Fabian und die anderen Bauern mussten sich die entscheidende Frage stellen: haben wir in Marzahn noch eine Zukunft? Könnte es zu einem neuen Krieg kommen oder lohnte es sich, einen Neuanfang zu starten? Oder drohte jederzeit die Pest und richtete auch das letzte Leben in diesem Dorf zugrunde? Die Register geben auf diese Fragen keine Antwort mehr. Marzahn ist aufgegeben worden. Wir wissen nur, dass die überlebenden Bauern unserer Region nach dem 30-jährigen Krieg auf ständiger Wanderschaft durch die Mark Brandenburg waren. Nur um einen Ort zu fi nden, der von den Kriegen verschont geblieben ist. Offenbar auch Jergen Fabian. Das Dorf Marzahn wurde beinahe wüst und vollständig erst ab dem Jahr 1764 wieder besiedelt. Davon handelt die nächste Geschichte... Rayko Juth