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Das neue Jahr konnte krachender mit dem Kabarettisten Gert Kießling und seinem Programm „Macht was Ihr wollt, ich mache mit“ im Berliner Tschechow-Theater (BTT) in Marzahn-Nordwest nicht über die Bühne gehen. In unserem kleinen Kammertheater, das bis auf den letzten Platz gefüllt war, ging ein zweistündiges Feuerwerk der Satire, Komik und des politischen Humors auf das Publikum nieder. Ausgelöst von einem Künstler, der alle Facetten des schauspielerischen Aktionismus beherrscht. Fast 30 Jahre war Gert Kießling prominentes Mitglied des Berliner Kabaretts „Die Distel“. Um so anerkennenswerter ist es, dass er auf unserer kleinen Bühne auftrat. Nun aber zum Programm: Natürlich wurden unsere Politiker auf die Schippe genommen, aber auch der deutsche Spießer bekam sein satirisches Fett ab. Herrlich die „Garagen-Nummer“, in der die Liebe des Deutschen zum Auto noch dadurch erhöht wurde, dass zum Vorzeige-Auto die Vorzeige- Designer-Luxusgarage gehört, die in ihrer Ausstattung die Nachbarn vor Neid erblassen lässt. Auch die Glosse auf den „weltreisenden Sachsen“ war zum Totlachen. Bei der Parodie auf Bioleks Kochstudio mit einem Marzahner Arbeitslosen konnte einem das Lachen allerdings im Halse stecken bleiben, das lag aber eher an der bitteren Wirklichkeit. Berührt hat mich besonders der Zirkusclown mit dem Lied vom „alten dummen August“, da lag ein Hauch Melancholie in dem sonst so bissigen Theaterabend. Durch die intime Atmosphäre des Theaters wurde das Publikum mit in das Spiel einbezogen, so dass alle das Gefühl hatten, bei einem unterhaltsamen Familienplausch zu sein. Also ein rundum gelungener Theaterabend, von dem man sich gern eine Wiederholung wünschte. Das Veranstaltungsprogramm des Tschechow-Theaters sieht vor, dass jeden 4. Freitag im Monat Kabarett angesagt ist. Am 28. März wird diese Reihe mit einer Erich-Kästner-Revue fortgesetzt. Und Gert Kießling kehrt am 13. Juni noch einmal ins BTT zurück.
Marianne Marquardt