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für den Stadtteil Marzahn-NordWest

Zehn Grad und Sonne satt, tönte eine blechernde Stimme aus dem Radio. Zehn Grad, denk ich mir, und das im Februar? Ungewöhnlich für diese Jahreszeit, aber im Gegensatz zum Wetter der ersten Jahreswochen doch sehr angenehm. Gewiss, astronomisch gesehen beginnt der Frühling erst Ende März, das hat mit der Drehung der Erde um die Sonne zu tun. Doch mein Entschluss steht fest – ein Sonntagsspaziergang im Marzahner Kiez. Soll heißen – Sonne tanken bis zum Umfallen und den Frühlingsgefühlen freien Lauf lassen. Ich spüre die angenehme Wärme der Sonne unter der Winterjacke und schlendere durch die Straßen zum Barnimplatz. Menschen kreuzen meinen Weg – spielende Kinder, Frauen mit Kinderwagen, sich lautstark unterhaltende Männer mit schwarzen und grauen Bärten, Jugendliche und ein vom Alter gebeugtes Paar – alle zieht es in die wärmende Sonne. Die Luft ist kühl und fast windstill. Die trockenen Halme der wilden Gräser, die neben den Fußwegen wachsen, wogen nur ab und an – kaum merklich. Eine angenehme Ruhe liegt über dem Kiez. Nur die Spatzen lärmen bereits zänkisch um Nistund Futterplätze. Vereinzelt beobachte ich sogar Grünfi nken, Meisen und selbst eine Schwarzdrossel zeigt sich für einen kurzen Moment im Buschwerk, das entlang der Straßenbahngleise rankt. Auf dem Weg durch die Ahrensfelder Berge entdecke ich bereits blühende Forsythia, die Hamamelis und blühende Haselnusssträucher. Das Leben erwacht viel zu früh, wie ich fi nde. Und sicher wird auch so manches Gewächs die noch vorherrschende Nachtkälte nicht überstehen. Schade drum! Auf dem Weg nach Hause – eine Stunde bin ich nun unterwegs – schweift mein Blick nachdenklich über die Umgebung. Im Licht der Sonne wirkt unser Kiez noch schöner und sauberer als sonst. Wie gern hätte ich jetzt einen der Journalisten an meiner Seite, die den Begriff »Platte« gern verwenden, um ein hässliches Klischee zu bedienen. Nein, Marzahn-Nord ist ein sauberer und gepfl egter Stadtteil und bringt viele Menschen hervor, die sich engagieren und dieser geldgierigen Welt etwas Wärme abtrotzen. Und Wärme haben wir doch alle nötig. Oder?