Unabhängige und überparteiliche Zeitung
für den Stadtteil Marzahn-NordWest

Regelmäßig besuchen die BVV-Vorsteherin Petra Wermke und ich für unsere Partei DIE LINKE die im Wahlkreis ansässigen Einrichtungen und Vereine. Wir nennen das „Kiezspaziergang“. Wir wollen Menschen und deren Probleme kennen lernen. Manchmal können wir sogar direkt helfen. Und manchmal auch nur ein wenig Mut machen – so wie neulich beim Blumenkauf bei der vietnamesischen Händlerin in der Flämingstraße. Aber der Wert unserer Spaziergänge liegt woanders: Es ist wichtig, dass Politiker wissen, worüber sie reden und entscheiden. In den letzten Wochen waren es oft Einrichtungen und Initiativen für Frauen und Kinder, die wir besuchten. Eines haben alle gemeinsam: Finanzierungssorgen und Probleme mit dem Dschungel der Förderprogramme und Paragrafen. Projekte wie der Kinderkeller brauchen da dringend Hilfe. Es ist weder machbar noch sinnvoll für kleine Initiativen, viel Geld und Zeit in Verwaltungsarbeit zu stecken, das z.B. den Kindern zugute kommen soll. Hier sollte im Bezirksamt eine gemeinsame Anlaufstelle (eine Art „one-stop-agency“) gebildet werden. Aufgefallen ist uns die stark zugenommene Armut im Wahlkreis. Am 14. März erzählte mir Pfarrer Neigenfi nd aus der Schwarzburger Straße, dass die von ihm betreute Ausgabestelle von „Laib und Seele“ an jedem Ausgabetag 150 Familien versorgt. Tendenz steigend. Die Armut wächst an. Aber was ist arm? Zeige ich Gästen den Kiez, so sind sie beeindruckt vom Zustand des Viertels, auch der Sauberkeit und der Freundlichkeit der Menschen. Wer ist also arm? Es gibt einen verlässlichen Messwert: Die Befreiung von der Zuzahlung für Lernmittel an den Schulen. Das ergibt für den Bezirk ein erschreckendes Bild: Mit Ausnahme der Sonderschulen und der Gymnasien sind es im Durchschnitt 34,62 % aller Schüler, denen in diesem Jahr die Schulbücher von der Schule gestellt wurden. Diese Kinder sind arm. Zum Vergleich: An den Gymnasien sind es nur 8,68 % und an den Privatschulen 6,05 %. An den Sonderschulen müssen aber 66 % der Kinder als arm bezeichnet werden. Es gibt ein Süd-Nord-Gefälle und wir sind der Norden. Im Norden sind auch die Ausgaben für die Hilfen zur Erziehung die dritthöchsten des Bezirkes. Petra Wermke und ich sind uns einig: Präventive Projekte wie „Babybauch“ in der Golliner Straße für das Problem der Teenie-Schwangerschaften sind darum unerhört wichtig. Und Einrichtungen wie der „Hafen“, das Gründerinnenzentrum für Frauen, bedürfen jeder möglichen Unterstützung. Hier wird nachhaltig Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Das ist das große Kapital unseres Kiezes – und dies bei unseren Rundgängen immer wieder aufzufi nden macht Mut.
Wolfgang Brauer (MdA)