Unabhängige und überparteiliche Zeitung
für den Stadtteil Marzahn-NordWest

Ökumenisches Forum Marzahn und die Spätaussiedler

Seit der Gründung des Ökumenischen Forums vor 25 Jahren bemühte es sich um Verbindungen zu Menschen aus der Sowjetunion. Bis 1990 waren engere Beziehungen mit Angehörigen der „Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte“ verboten. Wie sich aber der langjährige Vorsitzende, Pastor Herr Ernst-Gottfried Buntrock, erinnert, gab es am Anfang gute Kontakte zum Exarchat der Russisch-Orthodoxen Kirche in Karlshorst. „So war Bischof German mehrmals unser Gast und berichtete über das Leben und die Leiden seiner Kirche im ‚Sozialismus’. Vom Leben der zwei Millionen Deutschen in der UdSSR wussten wir fast nichts. Bei unserem ersten Besuch in Kiew 1988 lernten wir zwar Baptisten kennen und schätzen – aber auch dort schwieg man über die Deutschen.“ Erst als 1992 Russlanddeutsche in großer Anzahl nach Marzahn-Hellersdorf kamen, nahmen wir sie deutlich wahr. In vielen kirchlichen Gemeinden im Bezirk, verschiedener Glaubensausrichtungen wurden sie herzlich aufgenommen – Deutsche mit einer anderen Geschichte, mit süddeutschem Dialekt oder nur gebrochen Deutsch sprechend. Man verstand sie schwer, sie erfassten das „moderne“ Deutsch auch nur mühsam. Sie waren Lutheraner oder Reformierte, Mennoniten und Baptisten oder Katholiken – aber sie durften es nicht in der Öffentlichkeit zeigen. Um mehr Verständnis für diese Gruppe zu erreichen, wurde vom Forum eine Broschüre unter dem Titel „Erinnern für die Zukunft“ über „Das Jahr 1941 in der Geschichte der Deutschen in der Sowjetunion“ verfasst. In vielen vom Forum initiierten ökumenischen und persönlichen Gesprächen lernte man einander kennen und schätzen. So, dass man dann in den ABM-Projekten gemeinsam arbeitete und auch zu den „Lichtenberger Aussiedlertagen“ wie den Interkulturellen Tagen in Marzahn und Hellersdorf, egal ob Katholiken und Lutheraner, Brüdergemeinden und Atheisten, zusammenkam. Aus Spenden der evangelischen Gemeinden konnte dann das Forum eine hauptamtliche Kraft zu der Koordinierung dieser Arbeit erst halbtags, dann nur noch „geringfügig“ beschäftigen. Und seit elf Jahren schon bemüht sich Frau Köhler um Verständnis für die Spätaussiedler in den verschiedenen kirchlichen Gemeinden im Bezirk und in der Öffentlichkeit. Auch nach seinem 25-jährigen Jubiläum wird sich das Ökumenische Forum um gegenseitige Akzeptanz der seit 30 Jahren aus allen Teilen Deutschlands zugewanderten Marzahner und der seit über 15 Jahren ankommenden Deutschen aus der ehemaligen UdSSR einsetzen.