Unabhängige und überparteiliche Zeitung
für den Stadtteil Marzahn-NordWest

Marzahn im Griff(el)

Die Mitglieder der Schreibwerkstatt „Marzahn im Griff( el)“ treffen sich einmal monatlich im Kiez-Treff West, Ahrensfelder Chaussee 148, von 17.30 bis 19.00 Uhr. Infos dazu unter Telefon: 93665380. Interessenten sind willkommen. Heute stellen wir eine Geschichte von Frank Gründig vor:

Ahrensfelde via Alex

Ahrensfelde am frühen Morgen. Ich bin auf dem Weg zum Dienst und steuere den SBahnhof an. Die Bahn steht schon bereit. Dritter Wagen, zehn Meter hinter der Uhr. Da sitzt sie ja. Wie immer mit Brille und Buch. Es ist das richtige Abteil. „Nach Potsdam-Hauptbahnhof zurückbleiben.” Ab geht es. Mein Blick schweift umher. Er ist auch da. Das Hotel Fahrrad. Längsseits sitzend, den Drahtesel vor sich, die Jacke auf dem Sattel und darauf den Kopf schnarcht er leise vor sich hin. Die nächste Station. Meine Dicke kommt. Pfl anzt sich mir gegenüber hin. Dann werde ich von ihr forschend gemustert. Alles zur vollen Zufriedenheit? Ja. Die Hände gefaltet und schwupp sind die Augen auch schon zu. Hinter ihr war das Ritual. Ein Kerl Mitte vierzig, mit Rucksack und Brille. Eine Katastrophe. Sein Platz ist besetzt. Minutenlange Verwirrung, dann lässt er sich wo anders nieder. Unter heftig protestierenden Blicken, versteht sich. Die traute Gemeinschaft ist vollzählig. Bis Lichtenberg keine besonderen Vorkommnisse. Dann kommen störende Elemente. Reisende von den Fernzügen. Verzeiht ihnen, denn sie sind ja ahnungslos und keine Insider. Hotel Fahrrad beruhigt sich und auch meine Gegenüber schließt wieder die Augen. Die mit Brille und Buch hat noch nicht mal aufgeschaut. Hart im Nehmen das Mädchen. Auch ich gebe mich nun der Entspannung hin und schaue in tiefsten Gedanken zum Fenster hinaus, wo es natürlich fi nster und absolut nichts zu sehen gibt. Jannowitzbrücke passiert der Zwischenfall. Meine Dicke gegenüber, die sonst wahrscheinlich nach Zoo, Wannsee oder sonst wohin fährt, steigt aus. Der Gemeinschaft droht ein Riss. Die Blicke sprechen jedenfalls Bände. Ich schätze von uns hat heute jeder Stress, damit klarzukommen. Auch ich. Aufgewühlt ist mein Inneres. Zum Glück nur noch eine Station bis Alexanderplatz. Ein Hammer. Wie kann die bloß? Hier geht es doch um jahrelange Traditionen.