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Von A wie AoA bis K wie Galerie „KLIN“

Eine Führung durch das „russische“ Marzahn-NordWest

Der interkulturelle Garten im Frühling
Der interkulturelle Garten im Frühling

Dass seit 1991, im Laufe der letzten 16 Jahre, insgesamt ungefähr 64 000 Aussiedler nach Berlin gekommen sind ... Dass 24 000 von ihnen in Marzahn-Hellersdorf leben ... Diese Antworten erhielten die Teilnehmer einer kleinen Führung durch das „russische” Marzahn-Nord- West im Rahmen der Aktion „Kultour à la carte” auf ihre Fragen. Im ersten Abschnitt ging es vom Café des Projekts Kinderkeller in der Wittenberger Str. 85 zur Galerie „KLIN“ in den Ahrensfelder Passagen. Hier veranstalten in Räumen, die früher leer gestanden haben, bereits seit fünf Jahren Künstler aus verschiedenen Ländern (einheimische, russlanddeutsche, Russen, Bulgaren, Polen, Ukrainer, Kasachen und andere) eigene Ausstellungen. Die Galerie ist täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr für Besucher geöffnet. Einmal im Monat gibt es Vernissagen, zu denen alle Bewohner unseres Stadtteils eingeladen sind. Dieses Mal konnten sich die Teilnehmer der Führung die Arbeiten der Künstlerin Hannelore Schönberg in der Ausstellung „Metamorphosen” ansehen. Dass sich beim Bundesverwaltungsamt die Bearbeitung von Dokumenten zur Übersiedlung bis zu fünf Jahre hinzieht ... Dass in den 90er Jahren des Verhältnis von Personen deutscher Nationalität zu den mit ihnen gemeinsam migrierenden Personen nichtdeutscher Herkunft ungefähr 80 % zu 20 % betrug und heute 50 % zu 50 %. Ziel der zweiten Etappe war das Tschechow-Theater in der Märkischen Allee 410. Dort liefen gerade die letzten Vorbereitungen zu einem Nachmittag des Heimatpoeten Horst Rennhack unter dem Titel „Heitere Verse über das Eheleben”. Auf dem Abendprogramm stand die Inszenierung eines Theaters aus Köpenick „Hurra, mein Weib will mich verlassen“. Am Morgen des nächsten Tages fand eine Show für die ganze Familie von „Fannys Marionettendisco” statt. Das Repertoire eines Theaters, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine Bühne für alle Genres der darstellenden Kunst mit Künstlern verschiedener Nationalitäten zu bieten. Dass gemäß dem Flüchtlingsgesetz die Aussiedler gleich nach ihrer Übersiedlung die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Dass sie ihrem Glauben nach Katholiken oder Protestanten sind. Nach einem kurzen Halt am Stadtteilzentrum, wo Kiek in e.V. bereits seit vielen Jahren Migranten unterstützt, u.a. in dem Deutschkurse und Beratungen angeboten werden, führte der Weg die Exkursionsteilnehmer zum Interkulturellen Garten in der Golliner Straße 8–10. Auf einer Freifl äche, die nach dem Abriss des ehemaligen Kindergartens entstanden war, haben Hobbygärtner aus acht Ländern ihren eigenen kleinen Gartenverein geschaffen. Heute arbeiten hier auf 22 Parzellen Seite an Seite einheimische Bewohner, Kasachen, Russlanddeutsche, Vietnamesen, Bosnier, Russen, Ukrainer und Rumänen auf den Beeten. Paprika wächst neben riesigen Tomaten mit dem Namen „Bullenherz” aus Kasachstan, orientalische Gewürze gedeihen neben einheimischen Obst- und Gemüsesorten. Dass ein großes Problem im Integrationsprozess neben den ungenügenden Sprachkenntnissen, ebenso wie für die einheimischen Bewohner, die hohe Arbeitslosigkeit im Land ist. Und dass bei vielen die Diplome über die erhaltene Ausbildung nicht anerkannt werden. Nächster Anlaufpunkt ist das Projekt „Aussiedler orientieren Aussiedler” (AoA, BALL e.V.), das direkt neben dem Garten gelegen ist. Hier helfen Aussiedler, die sich schon eingelebt haben, den Neuankömmlingen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufi nden. Die Führung, die fast zwei Stunden gedauert hat, fi ndet einen optimistischen Ausklang: Da sich die Zahl der Neuankömmlinge aus der ehemaligen UdSSR in den letzten Jahren stark verringert hat (2007 kamen gerade mal noch 276 Menschen nach Berlin), kann man davon ausgehen, dass sich in den nächsten 20 Jahren auch das Thema ihrer Integration völlig erledigt haben wird. Alexander Reiser