Unabhängige und überparteiliche Zeitung
für den Stadtteil Marzahn-NordWest

Eine Oase der Kultur und Begegnung

von Rainer Stecher

Am Fuß der S-Bahn-Brücke in Marzahn-West gelegen, fällt der Blick auf ein unscheinbares Eckhaus mit der einladenden Bezeichnung »Kiez-Treff West«. Dort, am Anfang einer Ladenzeile, in der es für Bewohner und Gäste kaum noch Einkaufs- und Verweilmöglichkeiten gibt, behauptet sich seit 2001 eine Oase der Kultur und Begegnung. Ich lenke meinen Schritt auf den Eingang und mir fällt sofort der gepfl egte Bauernstil der Räume und Einrichtung ins Auge. Der freundliche Empfang und die gediegene Atmosphäre wecken in mir den Wunsch, ein wenig zu verweilen. Schnell komme ich mit der Leiterin Bärbel Kramer ins Gespräch. Eine sympathische, Ruhe und Gelassenheit ausstrahlende Frau, die mit Engelsgeduld meine Fragen beantwortet. Bärbel Kramer engagiert sich seit 1998 im Kiez und erzählt von ihrer bisherigen Arbeit in der Hilfe zur Erziehung für Kinder und Jugendliche, der sozialen Gruppenarbeit, der Konfl iktberatung und Familienhilfe. »Eine gelernte Nanni? «, frage ich und höre von ihrer Ausbildung und ihren Erfahrungen in Mediation und Kinder- und Jugendberatung sowie dass sie Erzieherin gelernt hat. Wer könnte sich also besser in den Dienst sozialer Brennpunkte stellen, als diese unduldsame, sanftmütige Frau? Heute sitzt sie im Beirat des Sozialen Stadtteilzentrums, im Forum Aktive Bürger, arbeitet ehrenamtlich in der nachbarschaftlichen Konfl iktberatung und leitet seit September vorigen Jahres den Kiez-Treff West mit dem Nachbarschaftsladen. Seitdem wurde auch auf ihre Anregungen hin damit begonnen, mit einigen Umbauten aus einer einstigen Kneipe und späteren Sozialstation eine helle und attraktive sozial-kulturelle Begegnungsstätte zu machen. Dreizehn Mitarbeiter unterstützen sie tatkräftig – und sie ist Stolz darauf, so viele fl eißige Hände an ihrer Seite zu wissen und in jeder Hinsicht vom Kiek in e.V. Berlin unterstützt zu werden. Im Schnitt sind vier Veranstaltungen pro Monat zu organisieren, erklärt sie, oder der tägliche soziale Mittagstisch ist vorzubereiten, Familientage und für die Kleinsten im Nachbarschaftsladen sind Bastelund Kreativnachmittage, Flimmerstunden und integrative Veranstaltungen zu koordinieren. Bärbel Kramers Engagement und das ihrer Mitarbeiter vollzieht sich ohne großes Aufsehen oder Erwartungen. Mit ihren Mitarbeitern, die sich in Maßnahmen der Beschäftigungsförderung befi nden, zaubert sie jeden Tag aufs Neue ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen und berührt deren Herzen. Ich verabschiede mich von einer Frau, die das Leben so vieler ein wenig lebenswerter macht und deren Engagement, Stärke und Sanftmut mich gleichermaßen beeindruckt hat.