Unabhängige und überparteiliche Zeitung
für den Stadtteil Marzahn-NordWest
Öffentlichkeit ist ein hohes demokratisches Gut. Für die Unterstützung der Quartiersöffentlichkeit werden in fast allen Berliner Gebieten des Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“ Stadtteilzeitungen in Printform oder als Online- News gefördert. In diesen Medien wird über das berichtet, was in den Quartieren passiert, welche Entwicklungen sich eingestellt haben, welche Veranstaltungen bevorstehen, welche Projekte mit dem Programm „Soziale Stadt“ gefördert werden. Gleichfalls werden Debatten über lokale Verhältnisse und anstehende Entwicklungen angestoßen. Positiv an der Quartierszeitung „NordWest“ fi nde ich, dass ab und an auch einzelne Bewohnerinnen und Bewohner namentlich gekennzeichnete, redaktionelle Artikel veröffentlichen. Daran zeigt sich, dass sich nicht nur die Redaktion aufgerufen fühlt, aktiv Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Negativ fällt mir auf, dass einige dieser Beiträge lediglich dazu dienen, dass die Schreiberin oder der Schreiber ihren oder seinen Unmut über kurz zurückliegende Ereignisse äußern. Meist sind die Beiträge daher entsprechend emotional geschrieben. Auch wenn nichts so sehr die Feder spitzt wie verletzte Gefühle, wünscht man sich, dass diese Kurzartikel in Form eines Leserbriefs und nicht als redaktioneller Beitrag veröffentlicht worden würden. Denn so entsteht der Eindruck, dass die gesamte Redaktion hinter diesem Artikel steht. Obwohl es doch eher um eine Verlautbarung geht und nicht die Information als Ergebnis von Recherchen im Vordergrund steht. Zum Beispiel informiert Herr Palisch in seinem Artikel „Zur Arbeit des Quartiersfonds 1“ in der letzten Ausgabe der „NordWest“ sehr wenig über den Quartiersfonds 1, dessen Jury und deren Arbeitsweise. Gleichwohl attestiert er der Jury, vielmehr den Jurymitgliedern fehlenden Sachverstand. Diese Form der Auseinandersetzung ist das Gegenteil von fruchtbar. Die Veröffentlichung eines Streits oder Dissenses ohne informative Basis gerät schnell zur Anklage. Es drängt sich der Gedanke auf, dass ein Gespräch vieles schnell geklärt hätte. Doch so wird das Gegenteil bewirkt. Die öffentliche Herabsetzung der Betroffenen greift deren mögliche Gesprächsbereitschaft an. Es drängt sich der Verdacht auf, dass ein klärendes Wort – wenn auch vielleicht zunächst in Form eines Streitgesprächs – zwischen dem Artikelschreiber und der Jury des Quartiersfonds 1 gar nicht erwogen wurde. Zumindest wurde ein solches Anliegen nicht an die Jurymitglieder oder mich als Quartiersmanagerin herangetragen. Und dies, obwohl die Mitglieder des Quartiersrats, dessen Vorsitzender Herr Palisch ist, angetreten sind, das einvernehmliche Zusammenleben und den sozialen Zusammenhalt im Quartier zu fördern. Die Verfahren, die mit dem Programm „Soziale Stadt“ im Quartier etabliert wurden, sind bewusst differenziert, um vielfältige Möglichkeiten für eine Mitarbeit am Quartiersprozess zu eröffnen. Der Quartiersrat wurde 2006 etabliert. Der Quartiersfonds 1 besteht seit 2001. Beide Gremien arbeiten in ähnlicher Weise, indem sie eingereichte Projektanträge gemäß den geltenden Förderrichtlinien begutachten, diskutieren und danach die beantragten Fördermittel bewilligen, reduzieren oder auch ablehnen. Einer der Unterschiede – neben dem Namen und der Summe der zu verteilenden Fördermitteln – besteht in der personellen Zusammensetzung. Während im Quartiersrat sowohl Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers als auch Vertreterinnen und Vertreter von Initiativen, Vereinen, Schulen, Kitas und Unternehmen mitwirken, besteht die Jury des Quartiersfonds 1 ausschließlich aus ehrenamtlich mitarbeitenden Bewohnerinnen und Bewohnern von Marzahn-NordWest. Eine Gemeinsamkeit der beiden Gremien besteht darin, dass sowohl der Quartiersrat als auch die Jury des Quartierfonds 1 öffentlich tagen. Die Sitzungstermine werden in der Stadtteilzeitung bekannt gegeben und die Ergebnisse dort ebenfalls publiziert. Über zu fördernde Projekte zu entscheiden, setzt voraus, dass auch die entsprechenden Fördermittel zur Verfügung stehen. Zum Beispiel wurde allen Antragstellern im Quartierfonds 1 mitgeteilt, dass eine Projektentscheidung erst im April möglich ist, da erst dann die Mittel durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur Verfügung gestellt würden. Zur Vorgehensweise der Jury des QF 1 gehört es wie beim Quartiersrat, dass der Antragsteller an den Sitzungen teilnehmen kann. Allerdings möchten die Jurymitglieder im eigenen Kreis die Projekte beraten und ihre Entscheidungen treffen. Daher ist es Regel, dass Antragsteller während der Abstimmung über die Projektanträge den Sitzungsraum verlassen. Herr Palisch lässt in seinem Zeitungsbeitrag die Leserschaft zwar wissen, dass er Mittel beantragt habe. Da er die Auskunft schuldig bleibt, dass er auch Fördermittel erhalten hat, teile ich hier der Richtigkeit halber mit: Für das in Frage stehende Projekt „Picobello“ für mehr Sauberkeit im Stadtteil wurde in einem ersten Schritt knapp die Hälfte der beantragten Summe bewilligt. Gleichzeitig gibt es für die zweite Jahreshälfte eine Option für die Bewilligung der restlichen Mittel und zusätzlich einen Betrag für Öffentlichkeitsarbeit, obwohl dieser noch nicht einmal beantragt war. Die Jury bewertet das Projekt als sehr wichtig für den Stadtteil. Um langfristig eine höhere Akzeptanz der Hundehalter für die eigene Sorge um die Sauberkeit im Stadtteil zu erreichen, wird empfohlen, das Projekt breiter anzulegen. Die Jury des Quartierfonds 1 erklärte sich aus diesem Grund bereit, das Projekt aktiv bei der Werbung weiterer freiwilliger Helfer zu unterstützen und zusätzliche Partner wie den Hundesalon oder Veterinärmediziner zu gewinnen. Für die Mitglieder der Jury und für mich ist die pauschale Bewertung, es mangele im Quartierfonds 1 „an Sachverstand, sozialem Verständnis und Achtung vor ehrenamtlicher Arbeit“ eine nicht hinnehmbare Behauptung, denn keiner der im Artikel der „NordWest“ erhobenen Vorwürfe entspricht den Tatsachen.
Anett Dubsky
QuartiersAgentur Marzahn-NordWest