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Isolde, „Tristan“ und Olga

Erfahrungen aus dem Leben junger Leute

Olga Friesen und Frau Hirsch in einer der wenigen Pausen ...
Olga Friesen und Frau Hirsch in einer der wenigen Pausen ...

In einer ruhigen Berliner Straße, die den Namen der Isolde trägt, befindet sich ein Salon, der Friseursalon „Tristan”. Dort absolviert die vierundzwanzigjährige Spätaussiedlerin Olga Friesen aus Marzahn-Nordwest gerade ein Praktikum. Vor ihrer Übersiedlung nach Deutschland lebte sie mit ihren Eltern und den zwei Brüdern in der Nähe von Semipalatinsk in Kasachstan. Ihre Mutter ist Deutsche, der Vater Russe. 1995 fassten die Eltern den Entschluss, nach Deutschland überzusiedeln. Zu dieser Zeit war die soziale und wirtschaftliche Situation an ihrem ursprünglichen Wohnort einfach katastrophal geworden. Perspektiven gab es so gut wie keine. Doch erst 2002, sieben Jahre später, erhielten sie die Einreiseerlaubnis nach Deutschland. Genau zu diesem Zeitpunkt beendete Olga gerade die Schule. Sie war in der 11. Klasse. Die Zukunft war für sie mit Unsicherheit und Angst verbunden, denn die Informationen über das Leben von Spätaussiedlern in Deutschland waren sehr undurchsichtig und widersprüchlich. Es ergab sich, dass die Familie nach Marzahn- Nordwest kam. Am Anfang standen die obligatorischen Deutschkurse, die nach Olgas Auffassung wenig gebracht haben, obwohl sie bereits in der Schule gründlich und fleißig deutsch gelernt hatte. Für ihre selbstständige sprachliche Entwicklung nahm Olga ein Angebot des Jobcenters an und arbeitete vier Monate in einem Kindergarten. Die Arbeit gefiel ihr, und sie konnte ein gutes Verhältnis zu ihren Arbeitskollegen aufbauen. Danach arbeitete sie als Servicekraft in einem Altenheim, was ihr von der ABU, der Akademie für Berufsförderung und Umschulung gGmbH Berlin, vermittelt worden war. Danach hätte Olga problemlos eine Ausbildung zur Krankenschwester absolvieren können. Doch Olga hatte selbst erkannt, dass ihr das nicht lag – sie wollte ihrem inneren Drang nach Kreativität nachgehen. Sie wollte die Ergebnisse ihrer Arbeit anderen zeigen und sie damit erfreuen. Deshalb interessierte sie sich besonders für den sechsmonatigen Kurs der ABU zur Berufsorientierung, der im Rahmen des Projektes „JumpStart” mit Unterstützung der QuartiersAgentur Marzahn-NordWest durchgeführt wird. Das wichtigste Ziel des Projektes ist es, interessierten jungen Leuten dabei zu helfen, den für ihre Fähigkeiten und Neigungen am besten geeigneten Beruf zu finden, seine Möglichkeiten unter den Bedingungen der aktuellen Marktlage zu erkennen und den Jugendlichen die wichtigsten Fertigkeiten im von ihnen gewählten Beruf beizubringen. Dabei wird natürlich auch die spezifische Lexik in deutscher Sprache verwendet. Dank den Mitarbeitern des Kurses und des Projektes selbst, besonders aber dank Frau Lücke und Frau Kobischke, konnte Olga hier ihren zukünftigen Beruf finden: Friseurmeisterin. Das entspricht ihren Anlagen und Fähigkeiten. Gegenwärtig absolviert sie bereits ein Berufspraktikum im „Tristan”. Die Inhaberin des Salons, Gabi Hirsch, meint, dass Olga gute Chancen hat, eine wirkliche Meisterin ihres Fachs zu werden, da sie über Optimismus, Zielstrebigkeit und Lebensfreude und einen unstillbaren Drang zur Kreativität in der Arbeit verfügt. Olga selbst ist der Ansicht, dass junge Leute in Deutschland, darunter auch die Spätaussiedler, alle Möglichkeiten zur Arbeit oder zum Studium haben. Wichtig ist, die Chancen zu erkennen und zu nutzen und auf den konstruktiven Rat von Fachleuten zu hören. Manchmal stehen dem aber elementare Faulheit, die scheinbare Bequemlichkeit des Lebens auf Staatskosten oder einfacher „jugendlicher” Schlendrian im Wege. Dem kann man nur zustimmen.

S. Galkin

... im Friseursalon „Tristan“ Fotos: S. Galkin
... im Friseursalon „Tristan“ Fotos: S. Galkin
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