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für den Stadtteil Marzahn-NordWest

Im Integrationsprojekt AoA (BALL e.V.) bietet sich den Besuchern häufig ein interessantes Bild. In einem der Räume knüpfen russlanddeutsche Frauen konzentriert etwas in Makramee-Technik, oder sie zeigen einander die selbstgefertigten Blumenampeln, Miniaturbilder, Umschlagtücher und andere Handarbeiten. Die Erklärung dafür ist denkbar einfach: Die Rentnerin Nina Gaus, eine Bürgerin von Marzahn-NordWest, leitet mal wieder eine Zusammenkunft im Frauenklub des Projektes AoA. In ungezwungener, trauter Atmosphäre bei nur Frauen verständlichen Gesprächen „über dies und das“ vermittelt sie ihre eigene Kunstfertigkeit. Nina stammt aus einer Familie alteingesessener ethnischer Deutscher, ihre Eltern lebten und arbeiteten unweit von Engels, der ehemalige Hauptstadt der Autonomen Republik der Wolgadeutschen. 1941 wurde sie im Alter von fünf Jahren zusammen mit ihren Eltern und nahen Verwandten ins Gebiet Nowosibirsk, also praktisch in die Taiga, deportiert. Von Kindesbeinen an musste sie vieles allein tun, eine Zeitlang sogar lernen, denn die nächst gelegene Schule war 30 km entfernt, also musste sie allein über den Büchern „ackern“. Nach Beendigung der pädagogischen Fachschule arbeitete sie mehr als 40 Jahre lang als Lehrerin und unterrichtete Deutsch, Zeichnen und Hauswirtschaft. In ihrem Leben gab es keinen Stillstand: Sie lebte im Südural, später wieder in der Nähe von Nowosibirsk. Erst 1999 konnte sie nach Deutschland ausreisen. Ein Jahr lang lebte sie in verschiedenen Städten Brandenburgs, erst Ende 2000 zog die Familie nach Berlin, nach Marzahn- NordWest. Hier hat es ihnen gleich gefallen: „Hier ist die Luft so gut, man hat einen guten Ausblick, es ist zwar etwas abgelegen, aber ein bisschen erinnert es an die sibirischen Weiten.“ Zuallererst half sie ihren zahlreichen Familienangehörigen – mit der Sprache, beim Einrichten der Wohnung, beim Herstellen von Kontakten. Sie selbst hatte keine Probleme mit der Sprache, da ihre Großmutter, die ausschließlich Deutsch sprach, ihr alle Feinheiten der Sprache hatte vermitteln können. Und auch alle Erwachsenen sprachen mehr Deutsch und hüteten gewissenhaft die Traditionen und Bräuche, die von Generation zu Generation weitergegeben worden waren. Irgendwie hatte sie beschlossen, im Kiek in e.V. vorbeizuschauen, dort lernte sie Aussiedlerinnen kennen, es entstanden Kontakte zu einheimischen Frauen, und es entwickelte sich eine Kommunikation. Gemeinsame Themen und Interessen wurden gefunden. Und so entschied sich Nina, im Klub des Projektes AoA ihr Können in ihrem lang gehegten und geliebten Hobby, dem Makramee, vorzuführen. Es gefiel, und nun kommen regelmäßig 10–12 Personen, und zwar aus den verschiedensten Altersgruppen. Ninas Erzeugnisse wurden schon mehrfach in unserem Bezirk ausgestellt – in der Galerie „Klin“, im Tschechow-Theater, es wurde in Zeitungen über ihre Kunst geschrieben und im Rundfunk darüber berichtet. Nina träumt davon, mit ihren Freundinnen eine Ausstellung ihrer zahlreichen Handarbeiten zu veranstalten und alle Interessierten damit zu erfreuen.
S. Galkin
Foto aus Archiv von N. Gaus